Biographie vorgestellt : George ist glücklich mit der Arbeit des Autors

Götz George wollte nie sein Leben vermarkten, geschweige denn eine Biographie von sich auf den Markt bringen. Jetzt ist es doch passiert, und der Schauspieler, der bald 70 wird, fühlt sich vom Autor verstanden und liebevoll beschrieben, wie er bei der Präsentation kund tut.

Christina Denz[ddp]
Götz George
Götz George bei der Präsentation seiner Biographie. -Foto: ddp

BerlinEigentlich liegt ihm das ganze Drumherum überhaupt nicht. Schauspieler Götz George nimmt am Freitag auf einem Podest im Untergeschoss des Berliner Kulturkaufhauses Dussmann Platz, in Jeans und Sonnenbrille, fast 70 Jahre alt, und beteuert, wie sehr er sich bislang gegen die "Vermarktung" seines Lebens gesträubt habe. Nun ist es doch passiert: Am Dienstag (13. Mai) kommt die erste von ihm autorisierte Lebensbeschreibung unter dem Titel "Götz George - Mit dem Leben gespielt" auf den Markt.

George wollte sich nie "verquatschen"

George wirkt entspannt, wie er da so sitzt, in blauem Hemd, blau getönter Sonnenbrille, dunkelblauer Jacke. Er verzichtet auf Schimpftiraden und lässt sich nur am Rande zu kurzen Spitzen gegen Journalisten hinreißen. Das Buch, gegen das er so viele Vorbehalte hegte, kommt ihm mittlerweile zupass, etwa bei Fragen der Presse: "Steht jetzt alles da drin", sagt er und deutet auf den Band, den er mit Autor Torsten Körner vorstellt. Auch das Alter erscheint ihm in diesem Lichte günstiger: "Um so älter man wird, um so weniger muss man quatschen", ist er überzeugt, "is ja alles schon gesagt". Und quatschen, sich "verquatschen" - das wollte George nie.

Körner hatte nach eigenen Angaben zunächst eine Biografie über die Schauspieler-Familie George geplant. Dann aber habe er gemerkt, dass drei Jahre dafür nicht reichten. Den Kontakt zu Götz George stellten schließlich Freunde her.

"Ich habe keine Liebschaften, ich bin nicht drogenabhängig."

Nie habe er eine Biografie geplant, geschweige denn an eine Autobiografie gedacht, versichert der Schauspieler. Er habe auch manche Ereignisse und Erinnerungen ruhen lassen, nicht jedes Kapitel noch einmal aufschlagen wollen. Zudem halte er sein Leben für langweilig: "Ich habe keine Liebschaften, ich bin nicht drogenabhängig."

Am Ende ist der Schauspieler aber doch "sehr glücklich" mit der Arbeit des Autors. Nicht nur zeige der Text "eine gewisse Poesie". Er erfasse ihn auch als moralischen Menschen. Und das sei ihm wichtig gewesen, sagt George. Er fühlte sich von Körner verstanden, von ihm liebevoll beschrieben. Zudem habe er manches über sich erst jetzt erkannt. So habe Körner zu seiner Schulzeit recherchiert und herausgefunden, dass er ein aufmüpfiges Kind gewesen sei. "Und das gefällt mir natürlich rückblickend", sagt George.

In den Gesprächen gab es laut Körner keine Tabus. "Was er wissen wollte, hat er bekommen", sagt George. Beide beteuern, Kontroversen über Themen oder Ereignisse habe es nicht gegeben. Das mag auch daran liegen, dass Körner sich bereits mit dem Nazi-Regime und - in einer Biografie über Heinz Rühmann - mit der Rolle des Künstlers darin beschäftigte. Denn auf Fragen zur Rolle seines Vaters Heinrich in der Hitler-Diktatur reagiert George bis heute sensibel.

Vater als wichtigste Person

Der Vater, den der Sohn noch immer als wichtigste Person in seinem Leben beschreibt, habe sich so verhalten, "wie man sich als Mensch in der damaligen Zeit verhalten hat". Er sei in erster Linie Schauspieler gewesen, "kein Propagandist". Die politische Debatte sei für ihn deshalb "völlig uninteressant", sagt er.

Körner versichert, dass er in der Biografie nichts glätten, sondern eine Vielfalt an Perspektiven und "Dissonanzen" im Leben Georges habe darstellen wollen. In dem Band bescheinigt er George aber auch eine "nie nachlassende Leidenschaft" für das Schauspiel, einen Antrieb, stets neue Figuren zu erschaffen, auch solche wie jene des "Tatort"-Kommissars Schimanski, der seit über 25 Jahren in der ARD ermittelt.

Dass George also trotzdem vor die Presse, und am 20. Mai an gleicher Stelle vor seine Fans tritt, ist vor allem Autor Torsten Körner zu verdanken. "Das bin ich ihm schuldig", sagt George - und drückt seinem Biografen dankbar die Hand.

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