Berlin : Bioläden unter Kontrolle

Von Ingo Bach

Die Berliner Senatsgesundheitsverwaltung hat gestern Nitrofen-Alarm gegeben. Sie wies die Lebensmittelaufsicht in den Bezirken an, Biowaren auf das Pestizid untersuchen zu lassen, das vor wenigen Tagen in brandenburgischem Futtergetreide aus biologischem Anbau entdeckt worden war. Bioläden werden in den nächsten Tagen verstärkt von den Lebensmittelämtern überprüft.

Wie die Kontrolleure dabei vorgehen, überlässt die Senatsverwaltung den Bezirken. Denn: „Wir haben noch keine genauen Angaben darüber, wo und wie das Pestizid in den Weizen geraten ist und welche Produkte betroffen sein könnten“, sagt die Sprecherin der Behörde, Roswitha Steinbrenner.

Normalerweise werden die Lebensmittelkontrolleure nur bei einem konkreten Verdacht aktiv, zum Beispiel dann, wenn ein Fleischer die Hygienevorschriften nicht einhält oder die Gesundheitsbehörden vor verseuchten Lebensmitteln warnen. „Wir werden jetzt Stichproben bei Bio-Futtergetreide und auch Bioeiern ziehen, in denen sich möglicherweise Rückstände von Nitrofen befinden", sagt die Amtstierärztin von Marzahn-Hellersdorf, Gudrun Pioch.

Zum Lebensmittelüberwachungssystem gehören auch Stichproben, die die Amtstierärzte ohne konkreten Verdacht untersuchen lassen. Auch diese Proben sammeln Mitarbeiter des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf - für ganz Berlin. „Wir nehmen jährlich 20 000 Lebensmittelproben", sagt Pioch. Dafür stehen im Bezirksamt ganze acht Kontrolleure mit vier Autos zur Verfügung. Bei den tausenden Lebensmittelhändlern, Imbissbuden und rund 100 Naturkostläden in Berlin ein schier unübersehbare Aufgabe.

Die Lebensmittelämter sind schon jetzt an den Grenzen ihrer Belastbarkeit. Seit Jahresbeginn habe sich die Zahl der Lebensmittelwarnungen verdoppelt, sagen die Amtstierärzte. „Fast täglich flattern uns neue Warnmeldungen auf den Schreibtisch." Wenn jetzt auch Bioprodukte Warnungen auslösten, kämen die Behörden mit Kontrollen nur noch schwer hinterher.

Bisher bekamen Bioladner eher selten Besuch von den Lebensmittelkontrolleuren., denn ihr Marktanteil gegenüber den konventionellen Läden ist gering. Doch die Öko-Produkte seien trotzdem viel besser kontrolliert, lässt die Pankower Lebensmittelaufsicht wissen. Denn die Anbauverbände von Naturwaren überwachten ihre Produkte selbst sehr genau.

Nun werden auch die Amtstierärzte genauer hinsehen. Mehr Arbeit für das Institut für Lebensmittel (ILAT), in dem die Proben analysiert werden. 2001 analysierte das ILAT insgesamt 89 als „öko“ deklarierte Produkte auf Pestizidrückstände, von insgesamt 1000 Lebensmittelproben. „Bisher haben wir kein Nitrofen gefunden", sagt Institutschef Hans-Joachim Klare. Man habe das Pestizid in die Analyse aufgenommen, weil sich das zu DDR-Zeiten verwendete Gift im Boden anreichen könne.

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