Biotechpark Berlin-Buch : Zucker optimiert

In Buch werden Medikamente durch „Glykooptimierung“ wirksamer gemacht.

Beatrice Hamberger

Glycotope ist eines der erfolgreichen Unternehmen im Biotechpark Berlin-Buch. Das 2001 als Start-up gegründete, inzwischen mehr als 150 Mitarbeiter starke Biotechunternehmen entwickelt innovative Biotherapeutika. Zum Beispiel humanisierte Antikörper gegen Krebs. Doch weil Antikörper mitunter „versagen“, greifen die Forscher auf einen besonderen Trick zurück: Sie optimieren verschiedene Zucker, die sich auf dieser Art von Biomolekülen befinden. „Glykooptimierung“ heißt das im Fachjargon.

„Kohlehydratstrukturen stellen die Verbindung zwischen Antikörper und Zelle her“, erläutert Firmengründer Steffen Goletz. „Mit einer speziellen Technologie können wir diese Zuckerstrukturen so verändern, dass sich die Aktivität, die Bioverfügbarkeit sowie die Verträglichkeit verbessern lassen und die Therapie wesentlich effizienter ist.“

Drei „glykooptimierte“ Antikörper gegen verschiedene Krebsarten befinden sich bereits in klinischen Studien, zwei davon bereits in Phase II. „Die Studienergebnisse sind äußerst vielversprechend“, betont Biologe Goletz. Die Antikörper PankoMab und CetuxiMab befinden sich mittlerweile in zulassungsrelevanten Studien. Während PankoMab vor allem ein Hoffnungsträger bei Lungen- und Ovarialkarzinomen ist, sollen die anderen „Glyco-Bodies“ gegen eine Vielzahl weiterer solider Tumoren wirken, „darunter auch viele Krebsarten, die bislang schlecht auf Antikörper angesprochen haben.“ Große Pharmakonzerne haben das Potenzial der „Glykooptimierung“ erkannt und ihr Interesse signalisiert.

Die „Glykooptimierung“ zählt weltweit zu den wichtigen Zukunftstechnologien. Sie wurde in Buch zwar nicht erfunden, aber mit „GlycoExpress“ haben die Bucher Forscher eine Technologie entwickelt, die es ermöglicht, Antikörper in menschlichen Zelllinien zu produzieren. Das macht die neuen Medikamente nicht nur wirksamer, sondern auch verträglicher. Auch Proteine werden auf diese Weise hergestellt. „Unsere Pipeline ist voll“, berichtet Geschäftsführer Dr. Franzpeter Bracht. Ein Hormonpräparat namens FSH-GEX gegen Unfruchtbarkeit habe gerade die klinische Phase II erfolgreich beendet. Das Protein stimuliert die Bildung von Follikeln und trägt ebenfalls eine Zuckerhülle nach Glykotope-Art.

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