Berlin : Bis an die Ohren

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Von Bernd Matthies

Willkommen im Jurassic Park Berlin-West! Ein gefährlicher Ort ist das, voller Ungeheuer und seltsamer Orte, die ihre Abgründe hinter harmlosen n wie „Paris Bar“ oder „Franz Diener“ verbergen. Doch die Monster sind rar geworden, nur ein paar Eisbeinraptoren hopsen durchs Sauerkraut, der Wind faucht missmutig um die Ruinen von Landowskys Landesbank, und sogar das Berliner Mundarttheater, einst schrecklichster der Schrecken, ist verstummt. Ja, ist denn… Da! Ein Rolls Royce rumpelt heran, stoppt! „Darf ich Sie auf etwas aufmerksam machen?“, raunzt eine sonore Stimme. Um Gottes willen, worauf? „Auf mich.“

Nacktes, namenloses Entsetzen. Obwohl: Namenlos ist es eigentlich nicht, denn dieser Dinosaurier der Anmache, der letzte Playboysaurus Rex, heißt ganz klar Rolf Eden. Alt ist er geworden, tausend Mal geliftet vom Kinn bis an die Ohren, gegerbt vom Feuer unzähliger Höhensonnen; Frauen hat er flachgelegt ohne Zahl und Immobilien gekauft, als gäbe es kein Morgen – oder war es umgekehrt? Egal. Denn schon sein vergeblicher Versuch, einen adäquaten Nachfolger zu suchen, hat im letzten Jahr Verdutzen ausgelöst. Würde niemand mehr einwandern wollen ins Land, wo Viagra und Champagner fließen ohn’ Unterlass?

Nun der definitive Schock: Eden verkauft sein „Big Eden“. Die Basis. Die Mutter aller Misswahlen. Die Hopsburg aller Ku’damm-Kinder. Kunst wollen sie dort jetzt machen, Varieté. Wie überall. Ja, Leute: Das ist der Tag, da West-Berlin zum Stillstand kommt. Endgültig.

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