Berlin : Bis die Chemie stimmt

Mehrere Sternengenerationen haben jene Elemente ausgebrütet und ins All hinausgeblasen, ohne die heute Leben auf der Erde undenkbar wäre

Thomas de Padova

Was für ein spektakuläres Foto! Vielleicht ist es das schönste, das das Weltraumteleskop „Hubble“ in diesem Jahr gemacht hat. Im Zentrum des Bildes sitzt, versteckt, der Stern V838 Monocerotis. Er hat bereits Unmengen Staub ausgestoßen, ist nun in einen Staubmantel gehüllt und beleuchtet seinen eigenen Kokon.

Dieser Stern im Sternbild Einhorn vermittelt uns einen Eindruck davon, was auch unserer Sonne in ein paar Milliarden Jahren bevorsteht, wenn sie ihren Brennstoff weitgehend verbraucht haben wird. Dann wird auch sie sich zu einem Roten Riesen aufblähen und ihre äußeren Schichten ins All hinauspusten.

Der Wind der Roten Riesen füllt den Raum zwischen den Sternen ständig mit Staub und neuen chemischen Substanzen – mit Stoffen, die es zu Beginn des kosmischen Kalenderjahres noch gar nicht gab: In den ersten Januarwochen – kurz nach der Geburt des Universums also – bestand das All nur aus Wasserstoff und Helium. Diese beiden Elemente gingen vor 13,7 Milliarden Jahren direkt aus dem Urknall hervor. Die Bildung der übrigen chemischen Elemente setzte erst etliche 100 Millionen Jahre später ein: mit der Geburt des ersten Sterns.

„Damit all die Elemente entstehen konnten, die wir heute kennen, mussten erst die Chemieöfen angeworfen werden“, sagt der Astrophysiker Günther Hasinger. Er meint: die Sterne im All. Denn in deren Innern verschmelzen leichte Atome zu schweren Atomen. Wasserstoffkerne fusionieren bei Temperaturen von vielen Millionen Grad miteinander zu Helium, das wiederum zu Kohlenstoff verbacken wird. Die Sterne als kosmochemische Fabriken produzieren zudem Stickstoff, Sauerstoff, Eisen. Und ganz selten: Stoffe, die noch schwerer sind als Eisen. Die entstehen erst in den Endphasen eines Sternenlebens.

„Den ganzen Sommer des kosmischen Kalenders über brüten die Sterne chemische Elemente aus“, sagt Hasinger. Mit jeder neuen Sternengeneration steigen Reichtum und Vielfalt der Substanzen. Abgesehen vom Wasserstoff sind all die Stoffe, aus denen unser Körper besteht, „durch den Bauch mindestens eines Sternes, wahrscheinlich eher zweier oder dreier Sterne gegangen“, sagt Hasinger.

Für die Geburt der Sonne und ihrer Planeten war die Zeit erst im September reif. Erst vor 4,5 Milliarden Jahren schüttete der Kosmos unsere Erde aus seinem riesigen Füllhorn. Wie das vor sich ging, können Sie in der morgigen Ausgabe lesen.

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