Berlin : Bis elf Uhr blieben die Kitas geschlossen

Warnstreik im öffentlichen Dienst: 5000 Beschäftigte beteiligten sich

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Das Tor ist verschlossen. Myriam ElKhatib will ihre vierjährige Tochter in die Kita gleich neben dem Mariendorfer Volkspark bringen. Erst jetzt sieht die 22-jährige Mutter das Plakat an der Eingangstür. Dass sich die Erzieherinnen an den Aktionen der Gewerkschaften beteiligen und die Kita nicht vor 11 Uhr aufmacht, hat sie nicht mitbekommen. Den Erzieherinnen will sie nicht die Schuld geben. „Wahrscheinlich habe ich die Zettel nicht gesehen“, sagt El-Khatib. Auch einige andere Mütter sind von der Schließung am Morgen überrascht. Sie haben Verständnis für den Warnstreik der Erzieherinnen. „Die machen einen guten Job, dafür sollen sie gut bezahlt werden“, sagt eine von ihnen. Die Tempelhofer Kita in der Ringbahnstraße hingegen hat geöffnet, auch wenn sich einige Erzieherinnen am Warnstreik beteiligen. „Ich fühl mich von der Gewerkschaft leicht verschaukelt“, sagt Erzieherin Ines Schmidt, die auf eine Teilnahme verzichtet hat. Die Verhandlungen zögen sich jetzt schon endlos hin, und passiert sei immer noch nichts.

Rund ein Fünftel der 860 städtischen Kitas war gestern nach Angaben der GEW bis gegen 11 Uhr geschlossen; größere Probleme hat es nach Angaben der Jugendverwaltung nicht gegeben. Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, Verdi, GEW und GdP, hatten die Beschäftigten zum Warnstreik aufgerufen, um Druck auf den Senat auszuüben. Die Verhandlungen über einen Berliner Tarifvertrag für die 100 000 Arbeiter und Angestellten des Landes und der Hochschulen waren vor zwei Wochen ergebnislos unterbrochen worden. Ein neuer Gesprächstermin steht bisher nicht fest. Während der Senat analog zu der Neuregelung der Beamtenbesoldung vor allem drastische Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld plant, wollen die Gewerkschaften lediglich einem befristeten Verzicht auf Lohnerhöhungen bei Freizeitausgleich zustimmen.

Neben den Erzieherinnen beteiligten sich gestern unter anderem Mitarbeiter in den Bürgerämtern, in den Werkstätten der Feuerwehr und der Polizei, der Freien und der Technischen Universität sowie der Universitätsklinika am Warnstreik. Auch Angestellte von 20 Schulen waren vorübergehend im Ausstand. Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass rund 5000 Beschäftigte dem Aufruf gefolgt waren. Bei der zentralen Kundgebung auf dem Marlene-Dietrich-Platz forderte der Berliner GdP-Chef Eberhard Schönberg den Senat auf, endlich ein verhandelbares Angebot vorzulegen. sik

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