• "Bis Ostbahnhof, and then ten minutes to walk" - Als Test-Touristin in Berlin unterwegs

Berlin : "Bis Ostbahnhof, and then ten minutes to walk" - Als Test-Touristin in Berlin unterwegs

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"Where is the East Side Gallery?" Der Mann im Kiosk am Alex guckt verstört. East Side Gallery? "Ist das ein Magazin?" Fehlanzeige. Den letzten größeren Mauerrest kennt er nicht, aber dafür spricht sein Kollege Englisch. "I lived in America for two years." Miesepetrig? So geben sich die Berliner bei der spontanen Sightseeingtour gegenüber der angeblichen Touristin nicht. Einige der spontan befragten Berliner sprechen zwar kaum ein Wort, aber sind trotzdem riesig hilfsbereit.

Wie der Fahrer der Straßenbahn, die gerade am Alexanderplatz hält. Gerade ist eine Traube eingestiegen, und unsereins blockiert mit dem Klopfen ans Führerhäuschen den Verkehr. Auch hier die Frage nach der East Side Gallery. Der Mann stutzt, überlegt, und erklärt dann langsam und geduldig auf Deutsch. "Bis Ostbahnhof, and then ten minutes to walk." Thank you very much. Die beiden BVG-eigenen Wachleute sprechen indes kein Wort Englisch, eine Verkäuferin ebenfalls nicht - aber da nimmt sie sich mit einer Kollegin im Bahnhof in Charlottenburg nichts.

Am Infoschalter von "Kaufhof" am Alex verweist die Mitarbeiterin auf den "Exchange" im zweiten Stock, dort bekommen Nicht-EU-Ausländer sogar einen "tax-free"-Beleg - dann gibt es die Mehrwertsteuer am Zoll zurück. Eine Englischschulung hatte sie schon einmal, gegen eine Auffrischung hätte sie nichts. Ebu, der junge Türke am Obst- und Gemüsestand nahe Bahnhof Zoo, ist des Englischen zwar nicht mächtig - aber "die Leute können doch auf das zeigen, was sie wollen", meint der Verkäufer. Schließlich verständigten sich ja auch Berliner im Ausland mit Händen und Füßen. Sofern sie, denkt sich die Pseudo-Touristin, nicht ohnehin darauf bestehen, dass Deutsch gesprochen wird.

Und dann kommen sie doch, die Dämpfer. Wenn Gäste mit dunklerer Hautfarbe sich nämlich in der Stadt bewegen, sieht das Ganze schon anders aus. Der französischsprachige Student Abou aus Guinea hat bislang "in Köthen und in Köln" bessere Erfahrungen gemacht als in Berlin. Hier sucht er seit einem halben Jahr vergeblich eine Wohnung. Und dann dieser Vorfall, gestern nachmittag im Parkhaus Potsdamer Platz. Eine Berlinerin mit türkischen Wurzeln fährt auf der korrekten Spur, auf der Einbahnstraße kommt ihr ein Wagen entgegen. "Wir sind doch hier nicht im Ausland", schnauzt sie der Fahrer an. Also doch Berlin.

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