Berlin : Bis zum Umfallen

Jugendliche messen sich im Kampftrinken. Suchtberater ziehen Bilanz

Katja Reimann

Sie treffen sich auf Spielplätzen oder im Park – zum Saufen. So lange, bis einer umkippt. „Kampftrinken“ nennen Jugendliche diese riskante Freizeitbeschäftigung, mit der sie sich gefährlich nahe an der Grenze zur Alkoholsucht bewegen. Besonders Jungen zwischen 15 und 17 wollen so ihre Männlichkeit beweisen.

Die Fachstelle für Suchtprävention versucht unter anderem, gefährdeten Jugendlichen durch die Vermittlung von erlebnispädagogischen Programmen und Sport wieder Orientierung zu geben. Acht Monate nachdem das siebenköpfige Team aus Sozialpädagogen und Psychologen die Arbeit aufgenommen hatte, zogen Leiterin Kerstin Jüngling, Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner und die kommissarische Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara eine erste Bilanz.

Der Bedarf an präventiver Aufklärung bleibt hoch. Auch wenn der Verbrauch von Alkohol und Nikotin in Berlin laut Christine Köhler-Azara nicht über dem Bundesdurchschnitt liegt, so konsumierten eine überdurchschnittliche Zahl der Berliner Jugendlichen (30 Prozent) zwischen 15 und 17 Jahren Cannabis.

Bislang, so Heidi Knake-Werner, habe die Fachstelle 58 Schulungen für Pädagogen und 456 Beratungen zur Suchtprävention an betrieblichen Ausbildungsstellen, in Kindergärten und Schulen durchgeführt. Ein besonderes Anliegen sei es, die Zusammenarbeit von allen regionalen Suchtberatungsstellen in Berlin zu fördern. Einige Projekte wie die Initiative gegen Alkohol „Nüchtern betrachtet“ aus Friedrichshain-Kreuzberg, konnten auf weitere Bezirke übertragen werden.

Um auch Eltern erreichen zu können, erscheint in Kürze eine Broschüre in Arabisch, Russisch und Türkisch. Gerade im interkulturellen Bereich will sich die Fachstelle in den kommenden Monaten verstärkt engagieren. In deutscher Sprache liegt das Heft bereits vor. Der Titel: „Ist mein Kind in Gefahr?“ Träger der Präventionsstelle ist der 1990 gegründete Verein „Eltern, Kinder und Jugendliche gegen Drogenmissbrauch“ (PAD). Der Berliner Senat unterstützt die Arbeit mit 476 000 Euro im Jahr.

Fachstelle für Suchtprävention, Mainzer Straße 23, 10247 Berlin, Tel. 2935 2615.

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