Bischof : Der stille Gärtner - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren hatte Bischof Dröge das Verhältnis zum Senat verbessert und einen Reformprozess initiiert. Was Claudia Keller darüber schrieb.

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Kein Märchenonkel. Bischof Markus Dröge, hier am Märchenbrunnen in Friedrichshain, schaffte es auf leise Weise, Vertrauen zu gewinnen. Foto: Imago Foto: IMAGO
Kein Märchenonkel. Bischof Markus Dröge, hier am Märchenbrunnen in Friedrichshain, schaffte es auf leise Weise, Vertrauen zu...Foto: IMAGO

Kulturstaatssekretär André Schmitz schwärmt. Die Kontakte zwischen dem Senat und der evangelischen Kirche seien derzeit „besonders gut“. Das sei nicht immer so gewesen. Wahrlich nicht. In den vergangenen Jahren prägte der Streit um verkaufsoffene Sonntage und Pro Reli das Verhältnis. Es war ein offenes Geheimnis, dass die schlechte Stimmung auch mit der persönlichen Antipathie zwischen Klaus Wowereit und Wolfgang Huber zu tun hatte. Vor einem Jahr kam sein Nachfolger Markus Dröge ins Bischofsamt. Seitdem läuft es besser: Der Senat hat entdeckt, dass Integration auch etwas mit Religion zu tun hat, und will die Kirchen bei der gewaltigen Aufgabe dabei haben. Seit dem Ende der Konfrontation hat sich auch beim Religionsunterricht vieles zur beiderseitigen Zufriedenheit entwickelt. Markus Dröge, der Diplomatensohn, könne eben vermitteln, heißt es. Er stelle keine Maximalforderungen, sondern erstmal Fragen, sagt Dröge. Die Aufgabe der Kirchen sei es, Gewissen zu schärfen und nicht, es besser zu wissen als die anderen.

In der Verwaltung sind sie froh, wieder einen Bischof zu haben, der anwesend ist, der nicht wie Huber zwischen Hannover (wo er als EKD-Ratsvorsitzender wirkte) und Berlin pendelt. Jetzt brauche man nicht mehr „unter Vorbehalt“ zu arbeiten. Pfarrer freuen sich, dass ihnen der neue Bischof mit einem eigens für sie organisierten Pfarrertag Wertschätzung entgegenbrachte. Tausende Kilometer ist Markus Dröge gefahren, um Pfarrer, Ehrenamtliche und Gemeindemitglieder in der Lausitz, in Brandenburg und in Berlin kennen zu lernen. Und anders als bei seinem Vorgänger habe man nicht nur die Staubwolke gesehen, sagt eine Frau, die sich in einer Berliner Gemeinde im Kirchenrat engagiert. Dröge, der am Sonntag zum ersten Mal in seiner Heimatgemeinde, der Frohnauer Johanneskirche, predigte, habe sich Zeit genommen und zugehört.

Seine große Baustelle ist der innerkirchliche Reformprozess. Verkrustungen müssen aufgebrochen werden, um Menschen für Religiöses zu interessieren. Nicht mehr jede Gemeinde soll sich um alles kümmern, es sollen Schwerpunkte gesetzt und enger zusammengearbeitet werden. Um zu wissen, wo es hakt, hat Dröge eine Umfrage in Auftrag gegeben. Das vorläufige Ergebnis: Die Mehrheit der Verantwortlichen in den Gemeinden und Kirchenkreisen teilen die Ziele, viele haben erste Reformschritte unternommen, bei den meisten sind Schwierigkeiten aufgetreten. Er wolle nun verstärkt die unterstützen, die etwas verändern wollen, sagt Dröge. Ein neuer Mitarbeiter soll den Prozess steuern. Der Bischof ist ausgebildeter systemischer Berater. „Der lässt nichts einfach so laufen, sondern denkt in Prozessen“, sagt ein Kollege.

Zusätzlich zu dem großen Reformprozess wird die Verwaltung modernisiert und ein neues Rechnungswesen eingeführt. Es gibt also Gründe, weshalb man in der Öffentlichkeit von dem neuen Bischof noch nicht so viel gehört hat. Sicher, er hat sich hier und da zu Wort gemeldet, den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr kritisiert, „robuste Maßnahmen“ für den Finanzmarkt gefordert, er hat das Staats-Kirchenrecht gegen neue laizistische Strömungen verteidigt und die Reduzierung von Migranten auf ihre Religionszugehörigkeit ebenso verurteilt wie die Angriffe auf Christen im Irak. Das Thema Integration und den interreligiösen Dialog in Berlin will er zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen und einen eigenen Islambeauftragten einstellen.

Den „Berliner Brief“ an die Berliner Protestanten mit den Neujahrswünschen Anfang Januar, dessen Echo so groß war, dass es Ordner füllt, diesen Brief allerdings hatte Generalsuperintendent Ralf Meister geschrieben. Auch die Idee zur großangelegten Karfreitagsprozession in Mitte hatten Generalsuperintendent Meister und der Superintendent von Mitte. Nicht dass Meister sichtbarer war, aber dass der Bischof in Berlin noch nicht bekannter ist, bedauern etliche. Ralf Meister wird Berlin vermutlich bald verlassen. Er kandidiert für das Bischofsamt in Hannover, wo ihm sehr gute Chancen zugerechnet werden. Na klar, er wolle auch mehr in die Öffentlichkeit gehen, sagt Markus Dröge. „Aber ich muss erstmal fest stehen und Wurzeln fassen.“ Schließlich sei er für zehn Jahre gewählt.

„Die Art wie Philipp Melanchthon gebaut und gepflanzt hat, wie er die langfristige Wirkung der Reformation eingeleitet hat, diese Art sollte uns Vorbild sein“, hat Dröge neulich in einem Vortrag gesagt. Nicht Martin Luther, der draufhauen konnte, sondern sein sanfter Freund Melanchthon ist ihm Leitbild: der „nachhaltig wirtschaftende Gärtner“.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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