• Bisher noch keine heiße Spur: Polizei sucht mit Phantombild nach mutmaßlichen Q-Dorf-Schläger

Bisher noch keine heiße Spur : Polizei sucht mit Phantombild nach mutmaßlichen Q-Dorf-Schläger

Bisher ging bei der Polizei nach dem Angriff erst ein Hinweis ein: Der verletzte Kenianer wird seine Sehkraft nicht verlieren, leidet aber unter den seelischen Folgen. Derzeit wird er von der Berliner Opferinitiative Reach Out unterstützt und beraten.

Kerstin Hense

Nach dem mutmaßlich rassistischen Überfall auf den 40-jährigen Kenianer Jimmy C. sucht die Polizei jetzt mit einem Phantombild nach dem mutmaßlichen Haupttäter. „Wir haben bisher einen Hinweis erhalten, aber es ist keine heiße Spur“, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag.
Der dunkelhäutige Angestellte der Diskothek Q-Dorf in Charlottenburg war in der Silvesternacht von drei bislang unbekannten Männern angegriffen worden. Einer der mutmaßlichen Täter soll ihn rassistisch beleidigt und ihm mit einem Trinkglas ins Gesicht geschlagen haben. Dabei erlitt der Kenianer schwere Verletzungen an einem Auge, die bis zur Erblindung führen können. Nach Angaben der Polizei wird C. seine Sehkraft aber nicht verlieren. Er durfte das Krankenhaus bereits wieder verlassen. „Noch kann er auf dem rechten Auge nichts erkennen und muss sich in zwei Monaten einer weiteren Operation unterziehen. Er ist psychisch sehr angeschlagen und hat nachts Albträume“, sagte eine Freundin von Jimmy C, die mit ihm gemeinsam in Integrationsprojekten arbeite. Gestern sei er bereits wieder im Tonstudio erschienen, wo Freunde aus 12 verschiedenen Nationen einen Song für ihn aufnehmen. Der kenianische Rapper K-Nel setze sich für Jimmy C. ein und habe ein Video für ihn ins Internet gestellt. Er habe nach Angaben der Freundin gestern die Botschaft von Kenia in Berlin besucht, um mit dem Botschafter persönlich über das Geschehen zu sprechen. "Wir weichen nicht von Jimmys Seite und sind immer für ihn da" sagte die Freundin.

Gegen den Überfall hatten vor einer Woche vor der Diskothek rund 100 Menschen demonstriert. Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen Vorwürfe zurückgewiesen, die Beamten hätten sich zu spät mit dem Fall befasst. Die Berliner Opferberatungsinitiative Reach Out hatte der Polizei vorgeworfen, bei Gewalttaten gegen Ausländer oder Andersfarbige rassistische Tatmotive oftmals zunächst nicht zu prüfen. "Wir unterstützen und beraten Jimmy C. nach dieser schrecklichen Tat. Aufgrund der Umstände und Konstellationen haben wir keine Zweifel an einem rassistischen Hintergrund", sagte eine Mitarbeiterin von Reach Out dem Tagesspiegel. Das Opfer leide nach dem Vorfall an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich oftmals durch Albträume, Appetitlosigkeit, Wesensveränderung und Angstzuständen äußere. Sollten die Symptome nach ein paar Wochen nicht verschwunden sein, sei eine Traumatherapie dringend ratsam. Häufig reichten aber schon einige Gespräche aus, um den Betroffenen zu stabilisieren. Die Polizei sucht jetzt einen 25 bis 30 Jahre alten muskulösen Mann, etwa 1,80 Meter groß. Er trug ein T–Shirt mit dem weißen Schriftzug „Camp David“. Hinweise werden unter Telefon (030)- 4664953128 entgegengenommen.

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