Bismarckhöhe in Potsdam : Veranstalter der Silvestermeile übernimmt Ausflugslokal

Rainer Wohlthat ist neuer Betreiber des berühmten Traditionslokals "Bismarckhöhe" in Werder an der Havel. Erster Gast: das Deutsche Filmorchester.

Enrico Bellin
Eine Postkarte aus den 40ern.
Eine Postkarte aus den 40ern.Foto: PNN

Eine illustre Gesellschaft wiegt sich im großen Ballsaal im Walzertakt. 500 Menschen, die auf dem Galgenberg in Werder hoch über der Havel ausgelassen feiern. Wer aus dem prunkvollen Saal nach draußen ans Geländer tritt, kann seinen Blick bis hinüber zum Neuen Palais in Potsdam schweifen lassen. Der Werderaner Obstzüchter Gustav Altenkirch hatte einen guten Geschäftssinn, als er 1905 mit der Bismarckhöhe einen der schönsten Veranstaltungsorte Brandenburgs errichten ließ. Nun soll der Ballsaal rund ums Jahr genutzt werden.

„Wir haben für dieses Jahr bereits 17 Veranstaltungen für die Bismarckhöhe fest“, sagt Rainer Wohlthat, Geschäftsführer der Berliner Wohlthat Entertainment GmbH. Die Firma ist eine große Nummer, veranstaltet Wohlthat doch seit Jahren die große Silvestermeile am Brandenburger Tor in Berlin.

Seit Jahresbeginn betreibt seine Firma die Bismarckhöhe. Den Anfang macht am 29. Januar das Deutsche Filmorchester Babelsberg mit einem Konzert zum 700. Stadtjubiläum, danach folgt die Prunksitzung des Werderaner Karnevals. „20 bis 25 Veranstaltungen sollen es dann künftig jährlich werden“, sagt Wohlthat. Dazu würden noch Vermietungen wie Abibälle oder Firmenfeiern kommen.

Die Bismarckhöhe über Havel und Werder.
Die Bismarckhöhe über Havel und Werder.Foto: Andreas Klaer

Bis April 2016 hatte der Stahnsdorfer Starkoch Ronny Pietzner einen Biergarten auf der Bismarckhöhe betrieben. Die Stadt, der das Gebäude gehört, hatte dann ein Interessenbekundungsverfahren für den Betrieb ausgerufen, laut Erstem Beigeordneten Christian Große (CDU) gab es keine weiteren Bewerber. Pietzner sagt, der Aufruf für das Verfahren sei auch nur wenige Tage online gewesen. Zudem wundert er sich über die nun mögliche Zahl der Feste. „Als ich Betreiber war, waren laut Genehmigung nur neun Veranstaltungen pro Jahr erlaubt.“

Der Ball ist bunt. Blick in den Saal der Werderaner Bismarckhöhe. Foto: Manfred Thomas
Der Ball ist bunt. Blick in den Saal der Werderaner Bismarckhöhe. Foto: Manfred Thomas

Gut ein halbes Jahr hatten die Stadt und der neue Veranstalter schließlich verhandelt. Werder vermietet das Ensemble an Wohlthat und wird eigenen Angaben zufolge auch am Umsatz beteiligt.

In der Region betreibt das Unternehmen das Café und Restaurant Fredersdorf am Neuen Palais in Potsdam, bis zum vergangenen Jahr organisierte die Firma auch die dortige Schlössernacht. Ab Ostern soll der Biergarten mit 200 Plätzen dann Freitag bis Sonntag und an Feiertagen geöffnet haben, zuerst mit einem Imbiss-Angebot. Wenn dann die Küche fertig ist, solle auch eine längere Speisekarte möglich sein. In Richtung Gourmet-Restaurant soll es aber nur bei Festen im Ballsaal gehen, nicht bei der täglichen Bewirtung: „Bei den Touristen, die zu uns ins Fredersdorf kommen, sind Bratwurst und Suppe die mit Abstand beliebtesten Speisen“, sagt Wohlthat. Sein Vertrag mit der Stadt läuft über fünf Jahre. Enrico Bellin

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