Berlin : Bitte kein Hundeleben

Beim Tierschutztag nannten Politiker ihre Visionen für Zoo und Tierpark: Artgerechtere Haltung, bessere Präsentation – und der Senat soll kontrollieren.

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Bleib schön brav. Beim Tierschutztag auf der Zitadelle Spandau konnte man auch einer Hundetrainerin zuschauen.Foto: repa-foto
Bleib schön brav. Beim Tierschutztag auf der Zitadelle Spandau konnte man auch einer Hundetrainerin zuschauen.Foto: repa-foto

Draußen reiten Kinder, und eine Hundetrainerin führt mit ihren Schützlingen Tricks vor. Drinnen geht es um das Wohl der Tiere, die in Zoo und Tierpark beheimatet sind. Und um ihren Reiz für potenzielle Besucher – alle hoffen jetzt auf den neuen Zoo-Chef Andreas Knieriem aus München. An ihn richteten beim 6. Berliner Tierschutztag auf der Zitadelle Spandau der neue Landestierschutzbeauftragte Horst Spielmann sowie Politiker verschiedener Fraktionen des Abgeordentenhauses Wünsche und Anregungen – für den Zoo der Zukunft.

So müsse das Land Berlin künftig konzeptionell Verantwortung übernehmen und dürfe diese nicht an die Veterinäre des Bezirksamtes Lichtenberg abschieben, wurde gefordert. Zudem müsse der Senat endlich über seine beiden Aufsichtsratsmitglieder mehr inhaltlichen Einfluss nehmen und seine Kontrollfunktion ausüben. Interessierte Bürger sollten eine Zoo-Beteiligung erwerben, um als kritische Aktionäre Einfluss nehmen zu können.

Der Tierschutztag ist immer in einem anderen Bezirk zu Gast, am Sonnabend dankten die über den Tag mehreren 100 Gäste auch dem als engagiert gelobten Stadtrat für Bürgerdienste und Ordnung, Stephan Machulik (SPD) als Gastgeber. Über die Zukunft des Zoos als besucherstärkster Freizeiteinrichtung der Stadt wurde ebenso leidenschaftlich diskutiert wie über den Zuwendungsempfänger Tierpark: Der größte Landschaftstiergarten Europas erhält 2013 noch 6,27 Millionen Euro als Landeszuschuss.

Rechtzeitig vor der Amtsübernahme des neuen Chefs Andreas Knieriem spätestens im Juni 2014 wollen der Landestierschutzbeauftragte, sein Vorgänger Klaus Lüdcke, die tierschutzpolitischen Experten des Parlaments sowie das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin Anregungen für den Zoo-Chef erarbeiten. In den Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn setzen Zoo-AG-Aufsichtsrat, Land und Berliner große Hoffnungen. Er könne sich vorstellen, auch in Berlin Erlebniswelten wie in Leipzig oder Hannover oder Leipzig zu schaffen, hatte Knieriem angekündigt.

Berlins Tierschutzbeauftragter Spielmann forderte, Zoo-Aufsichtsrat und -Leitung müssten künftig transparent arbeiten. Der Tierexperte der CDU, Danny Freymark, wünscht sich endlich ein modernes Ticketsystem, eine internationale Beschilderung, zeitgemäßes Merchandising, eine ebensolche Gastronomie – „und dass die Seekühe nicht mehr gehalten werden wie in einem Gurkenglas“. Auch Marion Platta (Linke) will eine artgerechtere Haltung: weniger Tiere, die mehr Bewegungsfreiheit haben und mehr beschäftigt werden sollten. „Die Malaienbären tun mir leid – und die Elefanten.“ Die Tierparkschule müsse erhalten bleiben. Zudem solle der Senat, der das Tierparkgelände in Erbbaupacht überlasse, als Grundstückseigentümer Einfluss nehmen. Im Senat müsse es einen Beirat für Zoo und Tierpark auch mit Tierschutzexperten geben.

Claudia Hämmerling (Grüne) zeigte Handyvideos, auf denen die im Innengehege angeketteten Elefanten auch draußen bewegungsmotorische Störungen zeigen. „Die Tiere sollten besser durch Gitter von den Pflegern getrennt und auch nicht mehr geschlagen werden.“ Simon Kowalewski von den Piraten findet Erfahrungen in der freien Natur prägender. „Das Betrachten von Viechern hinter der Glasscheibe, die sich kaum bewegen können, befördert eher Albträume. Wir haben die Völkerschauen überwunden, nun sollten die Tierschauen folgen“.

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