Berlin : Bitte nicht lachen!

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat über Humor vor Gericht

Wir wollen die Sache ernst angehen, denn wir wissen nicht, wann diese Zeitung gelesen wird. Geschieht die Lesung zu nachtschlafender Zeit, könnte eine spontane Äußerung von Belustigung seitens der Leserschaft zur Ruhestörung der Nachbarschaft führen, welche, wiederum vorausgesetzt, dass sie die Ordnungshüter auf ihrer Seite weiß, vor Gericht behandelt werden müsste.

Es geht hier also nicht um einen lachhaften Fall, sondern um die betrübliche und zudem teure Überlastung unserer Justiz. Gestern musste sie sich um die Klage einer Dame kümmern, die zu spät zu laut gelacht hatte. Ihr Nachbar hatte sie angezeigt, das ordnung- und stillehütende Bezirksamt darauf einen Bußbescheid über 20 Euro erlassen. Grund: „Lautes Lachen zwischen 18 und 22.30 Uhr.“ Die Dame fand das gar nicht lustig und beschwerte sich beim Amtsgericht, welches beschloss: Die Humorlosigkeit, also die der Dame, nicht die des Nachbarn, war begründet, das Bußgeld fürs späte Lachen muss nicht gezahlt werden.

Wenn die Leserschaft nun meint: Na bitte, geht doch, hätte der das hier mal lustig geschrieben – wir hätten uns vor Lachen krachend auf dem Parkettboden gekugelt, hätten gebrüllt, nach Anzeige und Bußgeldbescheid wären wir vor Gericht gezogen, dann sagen wir: Nichts da, denn die Kosten des Verfahrens trägt die Stadtkasse, und um die steht’s doch so schlimm. Traurig, was?

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