Berlin : Bitte nörgeln!

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Schade, dass es in Berlin keinen ausgetrockneten Salzsee gibt. Der eignet sich bekanntlich hervorragend für Geschwindigkeitsrekorde, an die auf Berlins Straßen schon lange nicht mehr zu denken ist. Zugegeben, die Berliner würden erst mal meckern und nölen, über die Lärmbelästigung, die Risiken durch aufgewirbeltes Salz, Tierschützer würden sich gar um das Überleben des Salzherings sorgen – aber am Tag der Rekorde wäre die Strecke dicht gesäumt mit Schaulustigen, vor den Imbissständen stauten sich die Hungrigen und Durstigen, und noch Jahre später würden alle, die dabei waren, verzückt von der Supershow erzählen. Erst meckern, dann schwärmen: ein bewährtes Berliner Ritual, das bei der Eröffnung des Hauptbahnhofs ebenso erfüllt wurde wie beim Red Bull Air Race – und an dem auch ein einzelner Amokläufer nichts ändert. Ja, trotz der Bluttat wird man nach diesem Wochenende der Massenaufläufe der Fußball-WM optimistischer entgegenblicken dürfen. Bis zur Eröffnungsfeier darf noch lustvoll gemeckert und darüber sinniert werden, ob Stadien und Fanplätze wohl voll werden. Aber spätestens beim ersten Spiel wird gejubelt – da ist auf die Berliner Verlass.

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