Berlin : Bitte ohne Zeigefinger

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Das Thema Bildung: Seit Pisa und Erfurt wird es heiß diskutiert. Doch diese Hitze wird bald wieder erloschen sein, das meint zumindest Tanja Langer, eine von fünf Autoren, die am Dienstag im Roten Rathaus zum Thema „Bildung kommt vom Bildermachen“ aus ihren Werken lasen und diskutierten. Tragen Autoren eine besondere Verantwortung für die Bildung von Kindern und Jugendlichen? Dieser Frage gingen neben Lange die Schriftsteller Joachim Bessing, Harald Martenstein, Jochen Schmidt und Kathrin Schmidt nach. Eingeladen hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

„Schriftsteller sollen sich zu allem äußern“, findet Bessing, nur das Thema Erfurt, das inspiriere ihn überhaupt nicht. Das sei „kollektive Hysterie“. Auch Kathrin Schmidt lehnt es für sich ab, nach Erfurt in „das Verrohungsgeheul“ einzustimmen. Schreiben, beschreiben, sich einmischen - und das ohne erhobenen Zeigefinger, das scheint den Autoren wichtig zu sein. „Ich glaube nicht, berufener und kompetenter zu sein, mich zu Fragen zu äußern“, erklärte beispielsweise Martenstein. Ein Vorbild sei man aber zwangsläufig. Mit dieser Vorbildfunktion konnte sich der Popliterat Jochen Schmidt am wenigsten anfreunden. Seine Literatur mache einen zwar glücklich, jedoch nicht unbedingt lebenstüchtiger. Statt Vernunft zu vermitteln, werden Flöhe in die Ohren gesetzt.

Dass man sich dem Thema Bildung ganz unterschiedlich widmen kann, zeigten die kurzen Lesungen der Autoren. Da erklärte Martenstein mit Ironie „wie man Gemüse in Kinder bekommt“, beschrieb Kathrin Schmidt mit Ernsthaftigkeit die Verlorenheit einer Lehrerin, während Bessing voller Zynismus die Entfremdung der Kommunikation zwischen Kind und Eltern schilderte.

Und für Jochen Schmidt stand fest, früher, als es den C-64 noch gab, da war sowieso noch alles besser. Da gab’s kein Counterstrike sondern Bruce Lee - und das nur in sechs Farben. vv

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