Berlin : Bitte recht freundlich!

In den Fotos der Erzherzogin Isabella von Habsburg lebt die Welt der k.u.k.-Monarchie fort

Heidemarie Mazuhn

Im Haus Ungarn rührt Erzherzog Friedrich von Habsburg die Trommel – auf einem Foto. Es zeigt den ältesten Sohn des letzten österreichischen Kaisers daheim im Kreise seiner Lieben beim Hauskonzert. Zu sehen in „Foto Habsburg“ – so heißt die aktuelle Ausstellung im Collegium Hungaricum Berlin, in der man Österreichs Dynastie hinter die k.u.k.-Kulissen gucken kann. Keine Paparazzi verbergen sich hinter Foto Habsburg, sondern die zu ihrer Zeit wohl prominenteste Amateurfotografin der Welt: Erzherzogin Isabella von Habsburg (1856-1931). Die westfälische Fürstin von Croy-Dülmen hatte 1878 den Erzherzog Friedrich von Habsburg (1856-1936) geheiratet – mit acht Töchtern und einem Sohn wurde die Verbindung reich gesegnet.

Von 1889 bis 1905 lebte die Großfamilie in Pressburg (Bratislava), wo Erzherzog Friedrich als Kommandeur des 5. k.u.k.-Armeekorps stationiert war. Im Grasssalkovich-Palais führten sie ein großes Haus. Die Erzherzogin, der man breite Interessen, politisches Gefühl und auffallende Willenskraft nachsagte, war auch darüber hinaus aktiv. So war sie Patronin des Hausgewerbevereins, des Pressburger Kinderasyls und des Verbands katholischer Hausfrauen.

Darben musste die Großfamilie nicht – 1895 beerbte Friedrich seinen erzherzoglichen Onkel Albrecht und wurde damit zum reichsten Erzherzog des Hauses Habsburg. Auch zum vorbildhaften Landwirt – die geerbten Besitzungen galten als Mustergüter. Dass man heute noch sehen kann, wie man damals arbeitete, feierte und sich kleidete, verdankt die Nachwelt der ebenso talentiert wie leidenschaftlich gern fotografierenden Erzherzogin. Den Richter von Mezökövesd verewigte sie 1911 in Landestracht. Im weißen Rock über schwarzen Stiefeln blickt der schnauzbärtige Alte schmunzelnd unter seinem steifen Hut in die hochherrschaftliche Kamera. Vor allem aber die Familie wurde von Isabella vor die Linse genommen. Aufgestellt wie Orgelpfeifen präsentiert sich auf einem Bild Ehemann Friedrich 1896 in Madrid mit der spanischen Verwandtschaft seiner fotografierenden Ehefrau.

Die kam mit ihrem Hobby schon zu Lebzeiten zu Ehren – 1898 erschienen Isabellas Bilder von Stickerinnen in der populärsten ungarischen Wochenillustrierten, der „Vasárnapi Újság“. Ihre Künstlerfotos wurden seit 1904 in Fotofachzeitschriften veröffentlicht.Mehr als 1000 ihrer Aufnahmen aus der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts werden im Historischen Fotoarchiv des Ungarischen Nationalmuseums aufbewahrt. Eine Auswahl aus dem fotografischen Nachlass Isabella von Habsburgs zeigt jetzt die Ausstellung in Berlin.

Foto Habsburg, Haus Ungarn, Karl-Liebknecht-Straße 9, bis 5. September, Mo bis Fr 10 - 17 Uhr, Eintritt frei.

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