Berlin : BITTE LÄCHELN

Gesichts-Zug mit Berliner Kette. Illu: Lentze
Gesichts-Zug mit Berliner Kette. Illu: Lentze

Nein, das Wort „Briefbeschwerer“ für „Leserbriefschreiber“ haben nicht wird erfunden, sondern der Kabarettist Jochen Malmsheimer. Aber auch wir haben manchmal unsere liebe Müh’. Das ist überhaupt kein Vorwurf, liebe Leser: Der Mensch gibt nun mal eher Laut, wenn ihm etwas missfällt. Er setzt sich nicht ans Pult und schreibt: „Zeitung war heute ordentlich.“ Umso netter, wenn Nettes anlandet! „Seid nett zueinander!“, forderten wir letzten Samstag, und siehe da, einer wollte nett sein. Karl-Friedrich Lentze übersandte uns einen herrlichen Schabernack, die Kopie eines echten Schreibens ans Deutsche Patent- und Markenamt. Worum es da geht? Um Lentzes „manuell zu betätigende Vorrichtung zur Erzeugung eines Lächelns in der menschlichen Mimik (,Berliner Kette’)“. Wie die funktioniert? Der Erfinder hat das Wort:

„Mit Hilfe des über die beiden oberen Ohransätze (versehen eventuell mit Gleitschutzaufklebern) geführten, dekorativen Kettchens (die Enden sind an zwei in die Backenhaut eingelassenen kleinen Ringlein – modische Piercings! – befestigt) können jederzeit, durch einfaches Herunterziehen des zentralen Anhängers (z.B. mit Bildnis des/der Liebsten) bei Bedarf die Mundwinkel mehr oder weniger (dem jeweiligen Anlass entsprechend) angehoben werden. Es wird so ein aufgesetztes Lächeln produziert, das aber voll der geforderten Etikette entspricht.

Die ,Berliner Kette’ eignet sich selbstverständlich auch für alle Nichtberliner/innen, die nicht in der Lage bzw. willens sind, aus welchen Gründen auch immer, ein freundliches Lächeln aufzusetzen.

Der/die Träger/in hat die Möglichkeit, ’seinen/ihren sozialen/gesellschaftlichen Status anzuzeigen, durch eine entsprechend luxuriöse Ausführung von Kette und Piercings. Bei schwerer Goldausführung sind natürlich robuster ausgebildete Ohren Voraussetzung.

Warnung: Sehr schwere Anhänger

können zu einem nicht erwünschten

Dauergrinsen führen!“

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