Berlin : Blackout vor dem roten Signal

Beim Unfall auf der U-Bahn-Linie 6 ignorierte der Zugführer das Haltesignal. Die Strecke wird erst Donnerstag wieder freigegeben

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Der Zusammenstoß zweier UBahn-Züge am Kurt-Schumacher-Platz am Dienstag wurde nach BVG-Angaben durch den „Blackout“ eines Fahrers verursacht. Der Fahrer des mit knapp 200 Fahrgästen besetzten Zuges habe ein 500 Meter vor dem Bahnhof stehendes rotes Signal überfahren und sei deshalb mit dem Zug kollidiert, der gerade aus einer Kehranlage zum Bahnsteig fuhr. Der Betriebsleiter der U-Bahn, Kurt Beier, sagte, dass der Mann seinen Fehler eingestanden habe und bereue. Dennoch will die BVG jetzt prüfen, wie die Sicherheitsvorkehrungen noch verbessert werden können. Bei dem Unfall am Dienstag um 13.07 Uhr waren acht Fahrgäste leicht verletzt worden. Sie wurden in Krankenhäusern ambulant behandelt. Die Feuerwehr hatte 150 Helfer im Einsatz. Die Freigabe der Strecke verzögert sich, da sich die Waggons völlig verkeilt haben. Zudem wurde eine Weiche und die Stromschienen stark beschädigt. Die Linie 6 soll voraussichtlich erst ab Donnerstag wieder normal fahren. Da die etwa 35 Jahre alten Waggons bald ausgemustert werden sollten, beläuft sich der finanzielle Schaden an Weichen und Anlagen nur auf 30 000 Euro, sagte Beier .

Ermöglicht wurde der Zusammenstoß auch durch den zum Zeitpunkt des Unfalls wegen der Bauarbeiten geltenden Pendelverkehr auf diesem Abschnitt der Linie 6. Denn der Fahrer des Pendelzuges fährt immer auf einem Gleis zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Holzhauser Straße hin und her – und dazu muss er planmäßig an drei oder vier roten Signalen vorbeifahren. Denn die Signaltechnik aus den 50er Jahren lässt es nicht zu, dass alle sieben Signale dieses Abschnitts „grün“ zeigen– was sie eigentlich müssten, weil ja kein anderer Zug in dem Abschnitt unterwegs ist. Bei jedem Überfahren eines Halt-Signals muss der Fahrer bei Pendelverkehr per Knopfdruck die so genannte Fahrsperre ausschalten. Diese Sperre soll einen Zug zwangsbremsen, der aus Versehen, ein Signal überfährt. Doch dieses Verfahren durfte nicht an dem Signal vor dem Bahnsteig angewendet werden, betonte Beier, da dort der Pendelabschnitt zu Ende sei. „Der Fahrer wurde dazu extra instruiert.“ Doch an dem letzten roten Signal auf dieser Pendelstrecke, 500 Meter vor dem Bahnhof, passierte der Fehler. „Er hat wohl in seiner Routine auch dort die Fahrsperre ausgeschaltet. Dieser Fehler darf einem Fahrer nicht passieren“, sagte Beier. Erst als der Mann den anderen Zug aus der Kehranlage herausfahren sah, erkannte er seinen Fehler, er leitete noch eine Notbremsung ein, die den Zusammenstoß aber nicht verhindern konnte. Ha

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