Berlin : Blaue Stunde im Kugeltheater

Die Blue Man Group packt die Umzugskisten. Eine Million Zuschauer haben die Show bislang gesehen

Nana Heymann

Phil Stanton muss ein Teufelskerl sein. Oder einfach nur ein guter Geschäftsmann. Mitten im raucherfeindlichen New York hat er es geschafft, einen Darsteller der von ihm gegründeten Blue Man Group qualmen zu lassen. Auf der Bühne des Astor Place Theaters. Als Teil der Showdarbietung. „Die Box, in der sich der Darsteller befindet, ist wahrscheinlich der einzige öffentliche Ort in New York, an dem geraucht werden darf“, sagt Stanton. Wenn diese Sondergenehmigung mal keine Sensation ist.

In Berlin wird es um den Teil der Show vermutlich nicht so viel Aufregung geben. Dennoch ist der Rummel um das Stück derzeit groß. Heute Abend wird es im Theater am Potsdamer Platz zum letzten Mal aufgeführt, dann zieht es weiter. In das wenige Meter entfernte ehemalige Imax-Kino, das wegen seiner neuen Bewohner künftig Bluemax heißen wird. Am Dienstag besichtigte Phil Stanton schon mal den kugelrunden Bau, in dem am Sonntag die Premiere für 600 geladene Gäste steigt. Dann wird die Show erstmals in der überarbeiteten Version zu sehen sein. Inklusive Raucher.

Der neue Ort, an dem die Brigade der drei blauen Männer künftig ihr laut-buntes Unterhaltungsfeuerwerk abbrennen wird, ist um einiges kleiner als die bisherige Spielstätte. Gleich vor der Bühne bauen sich die Sitze steil in die Höhe, die Besucher in den ersten Reihen sitzen nur wenige Meter von den Darstellern entfernt. „Es ist jetzt viel intimer“, sagt Phil Stanton, der die Gruppe vor 20 Jahren mit Freunden gründete.

Dass die Blue Man Group nun in ihrem eigenen Theater spielt, hat einen Grund: Mit diesem Schritt soll die Beziehung zwischen der Stadt und dem Ensemble gefestigt werden. Mehr als eine Million Besucher haben das Stück seit der Premiere vor fast drei Jahren gesehen. Ein Erfolg, der Stanton darin bestärkte, am Standort Potsdamer Platz festzuhalten. Das Bluemax soll künftig ein Trainingscenter für die vielen internationalen Darsteller werden. Bislang gab es das nur in New York.

Ohnehin ist Berlin für Stanton von besonderer Bedeutung. Es war die erste Station außerhalb der USA. „Hier trifft das Alte auf das Neue, der Osten auf den Westen“, sagt Stanton. Außerdem stellte er in seiner Heimat fest, dass in den Vorstellungen ungewöhnlich viele deutsche Touristen saßen. Deshalb hat er Deutschland den Vorzug gegeben – noch vor Holland und Großbritannien. In Amsterdam und London läuft die Show erst seit kurzem.

Den Umbau des neuen Theaters haben sich Stanton und der deutsche Veranstalter, die Stage Entertainment GmbH, gut sechs Millionen Euro kosten lassen. Dafür wurde vor der ehemals gewölbten Kinoleinwand eine Bühne aufgebaut. Seit August sind die Handwerker zugange; zurzeit laufen noch Arbeiten im Foyer, werden letzte Hinweisschilder aufgehängt. Der Saal des neuen Theaters bietet 618 Zuschauern Platz. Glaubt man Ulf Dewald, dem Geschäftsführer des Bluemax Theaters, werden sie mit Beginn der regulären Vorführung am Montag fast immer besetzt sein. „Die Show ist ein großer Publikumserfolg – bei Berlinern und Touristen.“ Eine Raucher-Szene, die eventuell militante Nichtraucher auf den Plan ruft, wird dem nicht schaden.

Montags und freitags 20 Uhr, mittwochs und donnerstags 18 Uhr, samstags 18 und 21 Uhr, sonntags 18 Uhr. Karten unter Tel. (01805) 44 44. Tickets ab 72 Euro

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