Berlin : Blauer Schein

Werner van Bebber

wundert sich über erstaunlich große D-Mark-Reserven Der Euro ist für viele von denen, die vor dem Januar 2002 ihr erstes Taschengeld bekommen haben, noch immer die Zweitwährung. Wer mit der D-Mark rechnen gelernt hat, bleibt dabei. Drei Euro für ein Hefeweizen – schlimm genug. Aber die Umrechnung (sechs Mark!) macht deutlich, wie teuer das Leben in der Eurozone wirklich ist. Die Statistiker sagen, das Leben sei durch den Euro nicht teurer geworden. Aber es gibt eine gefühlte Inflation. Und die besagt, dass drei Euro für ein mittelgroßes Bier – in Mitte passiert einem das öfter – automatisch Gedanken an die Weimarer Republik und die Währungskrise nach sich ziehen müssen. Eigentlich eine Situation, in der man auf alte Werte setzt. Wer beim Aufräumen den Geschenkumschlag von Oma mit einem schönen blauen Hundertmarkschein findet, der bunkert ihn für noch schlechtere Zeiten – sollte man meinen. Statt dessen tragen die Leute täglich ihre D-Mark-Reserven zwecks Umtausch zur Bank, in Tüten, Säcken und sogar in Eimern. Schwer zu sagen, ob sie ihre Kaufkraft erhöhen, weil sie an den Aufschwung glauben oder vor den Zeiten von Hartz IV mit frischen Euros noch mal feiern wollen.

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