Berlin : Blaues Wunder für den grünen Minister

Traumwohnungen zwischen Pop und Pomp vorgestellt

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Wie sieht eine typische Berliner Wohnung aus? Vielleicht so: abgezogene Dielen („Bitte Schuhe ausziehen, sonst gibt’s schwarze Striemen“), Billy-Regal-Kombi im Wohnzimmer („Es ist halt sooo praktisch“), wurmstichiges Büfett in der Küche („Das war Liebe auf den ersten Blick, damals beim Trödler“). Aber es wohnt sich auch anders in Berlin. In seiner aktuellen Ausgabe bringt das Magazin „Architectural Digest“ Fotos von Traumwohnungen, die wahre Kunstwerke sind. Nicht eben praktisch zwar, aber sehr schön anzusehen - so wie der Tempel des Pop, den sich der Bewohner im Dachgeschoss eines Gründerzeitbaus eingerichtet hat. Er hat sich einem Rausch aus Orange, Grün, Lila, Braun und Rot hingegeben. Es gibt kaum Ecken und Kanten, dafür Kurven, Rundungen und Kuppeln, und die Räume muten an, als hätte jemand Eiskugeln mit einem Riesenlöffel geformt. Die 60er und 70er Jahre haben den Bewohner inspiriert – lange bevor die Retrowelle der heutigen Zeit einsetzte. In den 80er Jahren habe er den damaligen Schick – Schwarzweiß und roher Stahl – nicht ertragen können.

Die Frage des Ertragens stellt sich auch in der Dienstvilla des Bundesaußenministers. Das Haus – früher Sitz des US-Stadtkommandanten – wirkt pompös und düster zugleich. Bei 33 Zimmern bräuchte man schon eine Menge Freunde und Verwandte, um dem Gründerzeitgebäude in der Pacelliallee Leben einzuhauchen. So wird es die meiste Zeit als Residenz für Staatsgäste benutzt. Und Joschka Fischer wohnt sowieso lieber in Mitte. ling

Das Architectural Digest kostet 6 Euro und ist im Zeitschriftenhandel erhältlich.

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