Berlin : Blechruinen am Straßenrand: Ab in die Schrottpresse

bks

An der Kurfürstenstraße steht eins, ein paar Meter weiter an der Flottwellstraße ein weiteres. Autos, deren Besitzer das Geld für den Schrottplatz sparen wollten, sind an Berliner Straßen keine Seltenheit. Häufig wandeln sich die Fahrzeuge von einem zunächst noch ansehnlichen Zustand zu Blechruinen. Abmontierte Reifen, eingeschlagene Windschutzscheiben, abgerissene Spiegel. Mit einer Aktion rückt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den Wracks jetzt zuleibe. Vier Telefonnummern sind seit Montag geschaltet, unter denen Berliner die Schandflecken melden können (Mo-Fr von 9 bis 15 Uhr: Tel. 90237-606/607/681/682).

Rund 270 Fahrzeuge wurden bisher gemeldet. Der für Ordnungsaufgaben zuständige Stadtrat Rainer Polle (CDU) in Lichtenberg-Hohenschönhausen freut sich zwar über die Resonanz auf die Aktion. Dennoch drückt den Dezernenten der Schuh. Seit Anfang des Jahres ist sein Amt für die gesamtstädtische Autowrackbeseitigung zuständig. Doch dem Bezirk fehlen etwa zwei Millionen Mark, um diese Aufgabe bewältigen zu können. "Unsere PC-Technik ist völlig veraltet", klagt Polle. Rund 400 000 Mark seien allein für die Anschaffung moderner Technik erforderlich. "Zudem sind die Einnahmen, die durch Bußgelder erzielt werden, zu hoch angesetzt", sagt er. Denn diese habe der Senat auf der Grundlage des Jahres 1998 errechnet. "Doch die Zahl der illegal abgestellten Autos ist rückläufig", sagt Polle. 1998 wurden von 27 800 angezeigten Autos noch 5100 Fahrzeuge "entsorgt", im vergangenen Jahr sank die Zahl auf 3500.

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Rund 1000 Mark pro Auto kostet die Entsorgung. "Am liebsten sind uns Fahrzeuge, die eindeutig Wracks sind", sagt Klaus Labod, Leiter des Amtes für regionalisierte Ordnungsaufgaben. Denn diese könnten sofort abgeschleppt werden. "Komplizierter ist es, wenn ein Fahrzeug zwar kein Kennzeichen mehr hat, aber noch einen fahrtüchtigen Eindruck macht." Dann geht die Suche nach dem Besitzer los. "Das kann unter Umständen Monate dauern."

Ist der Umweltsünder gefunden, hat er drei Tage Zeit, den Wagen zu beseitigen. Kommt er der Aufforderung nicht nach, schleppt das Amt den Wagen ab und fordert die Kosten vom Fahrzeughalter zurück. Ist der nicht zahlungsfähig, bleibt der Bezirk auf der Rechnung sitzen.

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