Berlin : Bleibt das Stadtschloß ein Geisterschloß ?

ULRICH ZAWATKA-GERLACH

BERLIN .Die Diskussion um den Wiederaufbau des Stadtschlosses, die der SPD-Kulturminister in spe, Michael Naumann, vom Zaun brach, droht zu einer Geisterdebatte zu werden."Alles hängt vom Nutzungskonzept ab", sagt selbst Walter Rasch, Geschäftsführer des Unternehmens Hanseatica, das sich am Interessenbekundungsverfahren zum Schloßplatz offensiv beteiligt."Erst dann kann geprüft werden, ob die Planung finanziell trägt." Der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Conradi forderte gestern, Nutzungs- und Finanzierungskkonzepte in der nächsten Wahlperiode in Ruhe zu erörtern und "nicht über eine leere Hülle zu reden."

Von angeblichen Gedankenspielen in Bonn, Einsparungen beim Hauptstadtumzug von 1,5 Milliarden Mark in das Schloßprojekt zu stecken, höre er zum ersten Mal, so Conradi.Das Bundesbauministerium dementierte dieses Gerücht gestern erneut.Bauminister Eduard Oswald hat dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen einen Brief geschrieben, in dem er dazu aufforderte, den potentiellen Investoren zu verdeutlichen, daß sie außer der Grundstücksvergabe in Erbpacht keine öffentlichen Zuwendungen zu erwarten hätten.

Da ist Conradi, der für ein "großes Kulturhaus wie das Centre Pompidou in Paris oder die Kunsthalle in Bonn" in der Stadtmitte eintritt, anderer Meinung: "Wenn der Staat so etwas will, hat er auch das Geld dafür." Der Berliner Senat hat, das steht fest, kein Geld."Interesse an einer kulturellen Nutzung hätten wir schon", sagt Burkhard Woelki, Büroleiter von Senator Peter Radunski.Aktuelle Pläne gebe es nicht."Alles ist offen und das Stadtschloß ein vages Projekt."

Die CDU will trotzdem versuchen, den Schlüter-Bau und andere "berlinwichtige" Vorhaben in die Finanz- und Investitionsplanung bis zum Jahr 2002 aufzunehmen, die der Senat demnächst beschließt."Das Stadtschloß käme ohne eine teilöffentliche Nutzung nicht aus", meint CDU-Generalsekretär Volker Liepelt.Eine Mitfinanzierung durch Bund und Land sei deshalb unumgänglich und die Einsetzung einer "pauschalen Mehrausgabe" in die Finanzplanung ein geeignetes Signal.Auch Diepgen sei "stark hinterher", für zukunftsträchtige Dinge eine finanzielle Vorsorge zu treffen, hieß es ergänzend in der Senatskanzlei.Die SPD hielt prompt dagegen: Von der Berücksichtigung des Stadtschlosses in der Finanzplanung könne keine Rede sein.Auf die Frage, wie er sich die Schloß-Finanzierung vorstelle, wollte SPD-Fraktionschef Klaus Böger - der den Vorstoß des Parteifreundes Naumann ausdrücklich begrüßt hatte - gestern "nicht weiter ins Detail gehen."

Kulturelle und gastronomische Attraktionen für ein breites Publikum möchte die SPD am Schloßplatz ansiedeln."Hauptstädtische Bundesfunktionen" und "europäische Geschichten" schweben dem CDU-Politiker Liepelt vor.Mit Konferenzzentren, Kunsthallen, Gästehäusern, Hotels, Bibliotheken, Büros, Restaurants, Dienstleistungsgewerbe, Technologiezentren und Parkplätzen füttern interessierte Investoren bisher ihre Wirtschaftlichkeitsrechnungen.Noch steht alles auf dem Papier.

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