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Bleiernes Erbe in Friedrichsfelde : Streit um 30.000 Tonnen Gift-Sand im Tierpark

Ex-Zoochef Bernhard Blaszkiewitz nahm belastete Baustellenerde gratis an. Grüne wollen nun Akteneinsicht bei der Senatsbehörde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in alle Richtungen.

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Der ehemalige Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz bei der Wiedereröffnung der Tropenhalle des Alfred-Brehm-Hauses im Tierpark Berlin in Berlin-Friedrichsfelde.
Der ehemalige Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz bei der Wiedereröffnung der Tropenhalle des Alfred-Brehm-Hauses im Tierpark...Foto: Thilo Rückeis

Die Tierpfleger in Zoo und Tierpark tun alles, um ihre Schützlinge zur Freude der Besucher bei bester Gesundheit zu halten. Doch nun hätte es passieren können, dass die Tiere mit Schnauzen und Hufen in Erde gewühlt hätten, in der eine dreizehnmal so hohe Menge an Quecksilber und ein fünfmal so hoher Wert für Blei festgestellt wurde, wie es der zulässige Grenzwert für „guten Boden“ (Kennung: Z0) vorschreibt. Die Giftstoffe hätten die Tiere auch über Pflanzen aufgenommen, kritisiert jetzt die Umweltexpertin der Grünen, Silke Gebel. Die Grüne stellt nun das Verhalten der Senatsumweltverwaltung infrage. Dort sollen Behördenexperten dem Transport von 30.000 Tonnen Baugrubensand von der Heidestraße in den Tierpark zugestimmt haben, obwohl die Behördenexperten von den Sand-Kategoriewerten Z0 (Kinderspielplatz) bis Z2 (Industrieverwendung) wusste. Gebel will nun Akteneinsicht, um zu prüfen, ob Fachleute hätten früher etwas verhindern können.

Waren die Angaben zum Bauaushub korrekt?

Der frühere Zoo- und Tierparkdirektor Bernhard Blaszkiewitz hatte das „Haufwerk“ gratis von einem Charlottenburger Bauunternehmer angenommen, offensichtlich auch, um Geld zu sparen. In den Gehegen ausgestreut wurde das Material aber noch nicht. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Zu den offenen Fragen gehören Punkte wie: Waren die Angaben des Bauunternehmers zum Sand korrekt? Wer muss die Entsorgungskosten für das Gift-Erbe auf dem für Besucher nicht zugänglichen Betriebsgelände zahlen, mit dem sich nun Tierparkdirektor Andreas Knieriem herumärgern muss?

Der Verdacht der Grünen, die Senatsbehörde könne da möglicherweise etwas durchgewinkt haben, weist Sprecherin Petra Rohland zurück. Generell könne man aber „aufgrund des laufenden Verfahrens nichts sagen“. Es werde jetzt „von der Umweltbehörde die von den Ablagerungen ausgehende Gefährdung ermittelt“. Zudem würden „die Beteiligten gehört und die Verantwortlichen und Verursacher festgestellt, und dann würde gegebenenfalls eine Anordnung zur Beseitigung“ erlassen.

Es droht eine halbe Million Kosten

Abtransport und Entsorgung des Bodens auch mit Zink, Kupfer und Sulfat sollen laut Senat 360.000 bis 570.000 Euro kosten. Das halten die Grünen für ein „teures Erbe von Herrn Blaszkiewitz“. Bei Zoo und Tierpark wollte man sich wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht äußern. Dem neuen Direktor sei wichtig, dass alles transparent aufgeklärt werde, hieß es.

Mehr Transparenz als früher bei der Ausstattung von Zoo und Tierpark – und sei es bis hin zur verwendeten Erde – wollen auch die Grünen. Deren Tierschutzexpertin Claudia Hämmerling erforscht nun, ebenso wie Fraktionskollegin und Umweltexpertin Silke Gebel, über weitere parlamentarische Anfragen die Hintergründe der Angelegenheit. Ebel prüft nun auch, ob etwa das Tierschutzgesetz geändert werden muss. Bislang gebe es nämlich zur Bodenverwendung in tiergärtnerischen Einrichtungen kein spezielles Gesetzeswerk.


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