BLICK NACH VORN : Für 3-D-Fernsehen interessiert sich keiner

Auf der Ifa werden die aktuellen Technologie-Entwicklungen vorgestellt. Doch was erwartet uns in zehn oder zwanzig Jahren? Wir haben bei Branchenexperten nachgefragt.

Was die Fernseher angeht, ist die Zukunft die Gegenwart. Das TV-Gerät der Zukunft ist flach, groß und hängt im Wohnzimmer an der Wand. Beamer werden zwar billiger, dürften aber den meisten Zuschauern auch in Zukunft zu kompliziert sein, um sich auf breiter Front durchzusetzen. Allerdings wird die Auflösung und die Kontrastfähigkeit der Fernseher in Zukunft immer besser werden. Momentan forschen Techniker an selbstleuchtenden Displays. Auf denen wird Schwarz dann wirklich schwarz und nicht, wie bei den gegenwärtigen LED-Schirmen noch, grau erscheinen.

Zu massiven Umwälzungen wird es im Bereich des TV-Programms kommen. Zwar werden auch noch in zwanzig Jahren die öffentlich-rechtlichen Sender ein Vollprogramm bieten, aber das personalisierte Angebot wird deutlich zunehmen. Viele Anbieter werden nur noch einzelne Sendungen produzieren. Als Zuschauer kann ich dann ein Profil anlegen, dass nach bestimmten Suchbegriffen Sendungen für mich aussucht. Wenn ich Western-Fan bin, dann bekomme ich aus allen Angeboten meine Filme herausgesucht, die ich dann ansehen kann, wann ich will. Dadurch wird das Fernsehen als Smalltalk-Thema noch weiter an Bedeutung verlieren. Dass mehrere Leute gleichzeitig etwas live sehen, wird in Zukunft nur noch bei Großereignissen wie Fußballweltmeisterschaften vorkommen.

Auch die Interaktivität, über die momentan viel gesprochen ist, wird sich in Grenzen halten. Die Leute wollen beim Fernsehen entspannen und unterhalten werden. Deshalb werden weder Programme mit mitentscheidbarem Handlungsausgang noch offene Kanäle an Bedeutung gewinnen. Deren Angebot ist einfach nicht gut genug. Im Fernsehen gelten da andere Ansprüche als im Internet. Schwarz sehe ich auch für Dinge wie 3-D-Fernsehen. Das wäre seit Jahren möglich, aber anscheinend sind die Leute daran nicht wirklich interessiert.

Sven Hansen ist Redakteur der Zeitschrift „Computer und Technik“ in Hannover. Mit ihm sprach Moritz Honert.

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