Berlin : Blick über den Gartenzaun mit Musik, Theater, Diskussionen - Auftakt am Sonntag

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Gerunzelte Stirn, weit aufgerissene Augen und angespannter Strichmund im weiß-roten Gesicht: Ein skeptischer Bannerträger blickt vom Plakat der Polnischen Woche, die morgen eröffnet. Wie er das gemeint hat, wird der Plakat-Künstler Stasys Eidrigevicius vielleicht am 16. Mai bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Willy-Brandt-Haus verraten (ab 19 Uhr, Stresemannstraße 28, Kreuzberg). Der litauisch-stämmige "Stasys", wie er sich der Einfachheit halber nennt, vertrete in diesem Jahr in Berlin die "etwas komplizierte polnische Grafik", sagte Botschafter Andrzej Byrt bei der Vorstellung des Programms. Byrt rechnet bei der 3. Polnischen Woche mit doppelt so vielen Besuchern wie in den Vorjahren - da kamen jeweils um die 10.000. Mit dabei ist jedenfalls wieder der Tagesspiegel - als Medienpartner.

Höchst anspruchsvoll zeigt sich "Polen, Nachbar und mehr" - so das Motto der Kulturtage - auch mit einer Retrospektive des oberschlesischen Regisseurs Kazimierz Kutz, Konzerten des bekanntesten polnischen Ensembles für alte Musik, Ars Nova, und Theater-Improvisationen der polnischen Schauspielschule "Reduta Berlin". Die Kutz-Filme, darunter das am Leben seines Vaters und seiner Großväter orientierte Bergwerks-Drama "Eine Perle in der Krone", werden täglich um 18 Uhr im Polnischen Kulturinstitut an der Karl-Liebknecht-Straße 7 (Mitte) und um 20 Uhr im Kino Balác in der Karl-Liebknecht-Straße 9 gezeigt.

Polens Musik-Szene stellt sich geradezu historisch-enzyklopädisch vor. Zwei Beispiele: Polnische und deutsche Tänze aus dem 16. Jahrhundert spielt das Warschauer Ensemble für Alte Musik "Ars Nova" am 16. Mai ab 19 Uhr im Willy-Brandt-Haus. Der legendäre Saxophonist Jan Ptaszyn-Wroblewski hatte vor fast 50 Jahren sein Debut und tritt heute mit jungen Könnern wie dem Pianisten Wojcech Niedziela auf (am 20. Mai um 21 Uhr in der Kunstfabrik Schlot, Chausseestraße 18, Mitte). Grundsätzlich wird es bei Podiumsdiskussionen zu Themen wie "Woran glaubt Europa?" in der Katholischen Akademie oder der Wirtschaftskonferenz um den Beitritt zur Europäischen Union "Warum Polen?".

Eher volksnah sind die Open-Air-Programme auf dem Platz vor dem Berliner Rathaus: Am Freitag, 19. Mai, treten ab 18 Uhr unter anderem ein original-polnisches Dudelsack-Ensemble und das Theater "Biuro Podrozy" (Reisebüro) auf. Am Sonnabend, 20. Mai, ab 11 Uhr, kommen zwei Jugendblasorchester aus der diesjährigen Gast-Wojewodschaft Wielkopolski dazu, die auch an einem musikalischen Umzug zum Brandenburger Tor teilnehmen.Alle 60 Termine der Polnischen Woche sind beim Kulturinstitut unter der Telefonnummer 247 58 10 zu erfragen.

Das Programm unter www.pol-bot.com

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