Berlin : Blindes Vertrauen: So wählen Sehbehinderte

Eine Schablone hilft beim Abgeben der Stimme

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„Also das ist ja unmöglich“, sagt Anke Overbeck. Da hat die blinde Frau zu Hause mit Wahlschablone und Info CD-Rom geübt, hat sich Spickzettel geschrieben, auf denen steht, welcher Wahlschein wie lang ist, und dann das: „Es hieß, alle vier Scheine haben unterschiedliche Größen, aber nun ist der für das Volksbegehren genauso lang wie der für die Erststimme!“ Die 51-jährige Sozialarbeiterin hat in ihrem Wahllokal an der Schöneberger Welserstraße dann doch das Kreuzchen an der richtigen Stelle machen können, allerdings dank Hilfe von Sehenden und nicht selbstständig, wie sie wollte.

Die beiden Zettel hatten offenbar berlinweit die gleiche DIN-A-5- Größe, waren aber am unterschiedlichen Material zu erkennen. Eigentlich sollen Blinde nämlich allein wählen können. Dazu müssen sie die vier Zettel nacheinander in eine Schablone legen: Jede Partei hat eine Zahl, dahinter ist ein Loch für den Stift. Dass der Schein richtig herum liegt, erkennen sie daran, dass sich das kleine Loch im Wahlzettel rechts oben befindet.

Rund 2700 dieser Schablonen hat der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein gratis an Mitglieder geschickt, sagt Sprecher Volker Lenk. Rund 6000 blinde und 20 000 sehbehinderte Berliner sind wahlberechtigt. Berlin war 1994 die erste deutsche Stadt, die die Schablone hatte. Die Produktion zahlt der Landeswahlleiter. Viele Blinde geben ihre Stimme aber mit Hilfe Sehender per Briefwahl ab. kög

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