• "Blitzeinbrecher": Fensterscheiben werden mit Gehwegplatten oder Gullydeckeln zertrümmert

Berlin : "Blitzeinbrecher": Fensterscheiben werden mit Gehwegplatten oder Gullydeckeln zertrümmert

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Sie kommen immer in den frühen Morgenstunden und bleiben selten länger als drei Minuten. Der Schaden, den sie anrichten, ist beträchtlich. Die rumänischen Blitzeinbrecher haben es ausschließlich auf Zigaretten abgesehen. Mit bis zu 15 Kilo schweren Gehwegplatten oder Gullydeckeln zertrümmern sie die Scheiben von Tabakgeschäften, Tankstellen oder Supermärkten, die Scherben reißen sie mit bloßen Händen aus dem Rahmen und nehmen auch Verletzungen in Kauf. Gestern stellte die Polizei die Methoden der Bande vor.

Innerhalb kürzester Zeit raffen die Täter ihre Beute zusammen und verschwinden. Seit dem vergangenen Jahr wurden in der Stadt über 170 derartige Taten registriert. Der Wert der Beute liegt nach Auskunft der Polizei bei etwa 850 000 Mark, der entstandene Schaden ist deutlich höher. Als einen der führenden Köpfe sucht die Polizei mit Haftbefehl den 30 Jahre alten Vasila Tataran. Er ist 1,80 Meter groß, schlank und spricht Deutsch mit Akzent.

Die Täter sind seit etwa fünf Jahren in Deutschland jeweils in Gruppen von drei bis sechs Mann aktiv. Sie "arbeiten" hauptsächlich in Norddeutschland. Wo und wie sie ihre Beute losschlagen, ist bisher nicht bekannt. In Berlin werden diese Taten seit September vergangenen Jahres von der Arbeitsgruppe RumBa (Rumänische Bandenkriminalität) zentral bearbeitet. Die Männer reisen nach den Erkenntnissen der Ermittler illegal nach Deutschland ein, begehen mehrere Taten und reisen wieder aus. Sie wohnten in illegalen Wohnungen, sagte der Leiter der AG RumBa, Andreas Kaminski. Sie nächtigten aber auch in Parks, und ließen sich auch von niedrigen Temperaturen nicht abschrecken. Als im vergangenen Jahr nach einem Einbruch einer der Täter verfolgt wurde, versteckte er sich zwölf Stunden lang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in einem Park.

Als der Mann mit Hunden und Wärmebildkameras aufgespürt worden war und festgenommen werden sollte, war er trotz der Zeit in der Kälte noch zu heftigster Gegenwehr fähig. Diese Hartnäckigkeit zeigt sich auch bei den Taten: Bei einem Einbruch in Lichtenberg lösten die Täter eine Nebelsprüheinrichtung aus, die ihnen nicht nur die Sicht nahm, sondern auch das Atmen erschwerte. Wenige Tage später kamen sie, geschützt mit Gasmasken, zurück und vollendeten ihr Werk.

Die Täter suchten immer wieder dieselben Geschäfte heim, bis zu sechs Mal nacheinander räumten sie einzelne Läden leer. Manch ein Geschäftsmann sei dadurch zur Aufgabe getrieben worden, wenn die Versicherung kündigte, oder die Kosten für die geforderten Sicherheitseinrichtungen nicht aufzubringen waren, sagte Kaminski. Der beste Schutz seien Gitter vor den Fenstern.

Die Ermittler stellten fest, dass sich in mehreren Fällen Zeugen nicht meldeten. Wenn Schichtarbeiter, Zeitungsausträger, Hundehalter oder Busfahrer Verdächtiges bemerkten, sollten sie die Polizei informieren, hieß es. Hinweise werden unter der Telefonnummer 33 01 53 113 entgegen genommen. Aber auch unter den Rufnummmern 33 01 50 405/-407 können Hinweise hinterlassen werden. Zeugen aktueller Einbrüche sollten den Notruf 110 wählen und keinesfalls versuchen, sich den Tätern in den Weg zu stellen.

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