Berlin : Blitzschnell umgestellt

Kaum Probleme gab es am ersten Tag der S-Bahn-Sperrung in der West-City. Die Fahrgäste suchten sich neue Wege

Klaus Kurpjuweit

Wo sind sie nur geblieben – die Fahrgäste der S-Bahn? Fast leer kamen gestern die Züge aus Spandau und Wannsee auf dem Bahnhof Charlottenburg an, wo die Züge nun mindestens bis zum 13. Dezember enden werden. Auch auf dem Bahnhof Zoo, wo aus Richtung Osten Schluss mit S-Bahn-Fahrten ist, waren die ankommenden Züge fast durchgehend schwach besetzt. Die Sperrung der Stadtbahn zwischen Charlottenburg und Zoo begann ganz unspektakulär. Das verschiedentlich prognostizierte Chaos blieb aus. Das Nachsehen haben allerdings die Geschäfte rings um den S-Bahnhof Savignyplatz. Dort fehlt jetzt ein Teil der Laufkundschaft.

Eine Panne hatte es jedoch beim morgendlichen Betriebsbeginn gegeben. Weil die umgestellte Signaltechnik noch nicht perfekt funktionierte, konnten die Bahnen aus Spandau und Wannsee zunächst nur alle 20 Minuten fahren. Zwischen 7 und 8 Uhr wurde dann aber der planmäßige Zehn-Minuten-Verkehr aufgenommen.

Die bereitstehenden Mitarbeiter der S-Bahn hatten weniger zu tun als erwartet. „Die Fahrgäste haben sich sofort andere Wege gesucht“, sagte ein S-Bahner. Nur wenige seien von der Sperrung überrascht worden; Beschimpfungen oder Wutausbrüche habe es kaum gegeben. Das Berliner Schnellbahnnetz aus S- und U-Bahn bietet zahlreiche Möglichkeiten, eine Alternative zu finden, auch wenn sich die Fahrtzeit verlängert.

Die als Ersatz für die S-Bahn zwischen Charlottenburg und Zoo fahrenden Busse waren fast immer nur schwach besetzt. Der Bus ist hier zehn bis zwölf Minuten unterwegs, während die S-Bahn nur fünf Minuten brauchte.

Auf Anregung des Tagesspiegels will die S-Bahn die Information für die Fahrgäste noch verbessern. So schickt die BVG bisher auf dem U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße Fahrgäste, die zur S-Bahn wollen, nach wie vor zu Fuß zum fast 300 Meter entfernt liegenden Bahnhof Charlottenburg, obwohl die Ersatzbusse fast direkt über dem U-Bahnhof an der Kantstraße halten.

Auch im Bahnhof Zoo sollen die Hinweise deutlicher werden. Dort hat man zwar den Weg vom S-Bahnsteig zur Haltestelle der Ersatzbusse mit grünen Markierungen und Hinweisen auch auf Englisch versehen, doch detaillierte Informationen zur Weiterfahrt mit den Regionalbahnen sind kaum zu finden. Die Regionalzüge waren gestern trotzdem deutlich voller als sonst, was auch für die Wannseebahn der S-Bahn von Potsdam/Wannsee Richtung Oranienburg galt.

Am gesperrten Abschnitt haben die Arbeiten gestern sofort begonnen, Kabel und Stromschienen wurden gleich abgebaut. Dagegen ruhen die Arbeiten für den Umbau des S-Bahnhofs Charlottenburg, weil sich Bahn und Senat, wie berichtet, um einen Grundstückskauf streiten, der für den Umbau erforderlich ist. Auch ein Gespräch aller Beteiligten brachte gestern keinen Fortschritt.

Die große Herausforderung steht aber noch bevor, wenn zum Kirchentag oder zum Fußball-Pokalendspiel Zehntausende mit der S-Bahn ins Olympiastadion fahren wollen. Doch bis dahin kann man die Fahrgast-Informationen ja noch verbessern.

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