Berlin : Blitzschnell unter Wasser gesetzt

Das Unwetter machte den Berlinern in der Nacht zu Sonnabend schwer zu schaffen. Fünf Stunden lang galt Ausnahmezustand

Jörn Hasselmann

127 Liter Regen pro Quadratmeter in zwei Stunden machten aus Reinickendorf am Freitagabend eine große Pfütze. Die Feuerwehr rief fünf Stunden lang den Ausnahmezustand aus, sie kam mit dem Auspumpen von Kellern nicht mehr hinterher. Die Unwetterfront ließ die anderen Bezirke mehr oder weniger ungeschoren – so feierten die Wasserbetriebe am Wannsee ihr Sommerfest bei nur wenigen Regentropfen, in Tempelhof fielen „nur“ 21 Liter pro Quadratmeter. Dies sei typisch für Sommergewitter, hieß es beim Wetterdienst Meteoxpress. Das Open-Air-Konzert „Colors of Music“ mit Montserrat Caballé und Marcelo Alvarez am Hauptbahnhof wurde abgesagt.

Im Mittelpunkt des Unwetters lag der Flughafen Tegel, hieß es bei der Feuerwehr. Die Polizei sperrte am Abend die A 111, da der Tunnel am Flughafen Tegel voll Wasser gelaufen war. Ein Autofahrer ließ seinen Wagen nach einem Defekt im Tunnel stehen und flüchtete zu Fuß. Am Morgen wurde die Ausfahrt Antonienstraße wieder freigegeben. In der tiefer gelegenen Röhre nach Hamburg stand das Wasser am Sonnabend noch bis zu zwei Meter hoch, insgesamt waren etwa 1,5 Millionen Liter eingedrungen. Um 13 Uhr trafen sich Experten der Feuerwehr, des Technischen Hilfsdiensts und der Wasserbetriebe an Ort und Stelle zu einem Krisengespräch, da die automatische Entwässerung durch Kurzschluss ausgefallen war. Die Experten fuhren mit Schlauchbooten in den Tunnel. Bis zum Abend hatte der Einsatz starker Pumpen keinen Erfolg, deshalb wurden Taucher angefordert, da vermutlich das Wasser von unten zurück in den Tunnel floss. Unklar blieb gestern, ob die Autobahn am Sonntag wieder befahren werden könne.

Die Feuerwehr, die seit vier Jahren eng mit dem Deutschen Wetterdienst kooperiert, hatte am Freitagabend eine Unwetterwarnung bekommen: Demnach sollte das Zentrum über Königs Wusterhausen liegen, von Berlin sollten, wenn überhaupt, nur Köpenick und Marzahn gestreift werden. „Doch dann hat es sich der Wind plötzlich anders überlegt“, hieß es in der Feuerwehrleitstelle. Die Gewitterfront zog bis Tegel – und blieb dort hängen. Die am Flughafen Tegel registrierten 127 Liter sind fast das Doppelte des gesamten Augustregens und mehr als beim Unwetter am 7. Juli. Damals waren als Maximum 107 Liter gemessen worden.

195 zusätzliche Einsätze verzeichnete die Feuerwehr in der Nacht zu Sonnabend. Ein Blitzeinschlag löste einen Dachstuhlbrand in der Graf-Haeseler-Straße in Reinickendorf aus. Menschen wurden auch dort nicht verletzt.

Die in der gestrigen Ausgabe veröffentlichte Bewertung des Unwetters stammte vom privaten Wetterdienst Meteoxpress und nicht, wie angegeben, von der Firma Meteomedia.

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