Berlin : Blockade am Ausgang

Der geplante Zugang zum S-Bahnhof Zehlendorf eint die Bezirkspolitik – gegen Senat und S-Bahn.

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Die Parteien in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf wollen gemeinsam gegen eine Entscheidung von Senat und S-Bahn kämpfen. Am Mittwochabend wurden zwei Anträge einvernehmlich von CDU, Grünen, SPD und Piraten beschlossen, in denen es um den lange erwünschten zweiten Ausgang am verkehrstechnisch hoch belasteten S-Bahnhof Zehlendorf geht. Senat und S-Bahn hatten sich entgegen dem Wunsch des Bezirks dazu entschlossen, den zweiten Ausgang an die wohl gefährlichste Stelle der Brückenunterführung am Teltower Damm zu bauen. Darüber hatte der Tagesspiegel im „Zehlendorf-Blog“ berichtet.

An der umstrittenen Stelle ist der Bürgersteig sowieso schon sehr eng, außerdem ist er abschüssig, und die Fahrradfahrer kommen mit Tempo. Von Senatsseite ist laut S-Bahn bisher nicht geplant, den Fahrradweg auf die Straße zu verlegen, das würde mehr Geld kosten.

Das Bezirksamt soll sich nun bei „den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dem geplanten zweiten Ausgang baurechtlich die Genehmigung zu verweigern“. Begründung: „Der geplante Ausgang stellt eine große Gefahr dar. Der Ausgang schafft ein unkalkulierbares Gefährdungspotenzial.“ Doch so engagiert der Antrag auch ist, er ist zugleich Zeugnis der Ohnmacht. Tatsächlich kann sich der Bezirk maximal bemühen, Macht hat er nicht. Der Bezirk will den zweiten Ausgang lieber westlich zum Postplatz und zur Machnower Straße haben, weil er dort „eine direkte Verbindung zu diversen Schulen und Einzelhändlern“ hätte und den „Verkehr erheblich verringern“ würde. Die Senatsverwaltung hat eine solche Lösung aus Kostengründen immer verworfen und laut Bahn nie mit ihr besprochen.

Die Erneuerung der Brücke, die ohnehin notwendig ist, wird 4,7 Millionen Euro kosten, die Kosten für den zweiten Zugang betragen 2,2 Millionen Euro. Bezirksbürgermeister Norbert Kopp setzt auf das Eisenbahnbundesamt, das bei baurechtlichen Entscheidungen prüfen müsse. Kopp sagt: „Der Bezirk muss noch einmal gehört werden. Alles andere wäre nicht anständig.“ Armin Lehmann

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