Berlin : Blond bis in die Seele

Nach Ex-Eisprinzessin Kati Witt übernimmt jetzt Eva Habermann den Part der wollüstigen Buhlschaft im Berliner „Jedermann“

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Und ewig zerrt
Und ewig zerrtFoto: dpa

Die Eva passe ja sehr gut zum Winfried, ist Brigitte Grothum überzeugt. Der habe so viel Düsternis und daneben dann dies leichte, helle Wesen: ein Traum.

Bis zu den „Jedermann“-Festspielen, die vom 20. bis 31. Oktober im Berliner Dom laufen, ist es zwar noch ein paar Tage hin, aber mit dem Präsentieren der aus Funk und Fernsehen bekannten Hauptdarsteller will rechtzeitig begonnen sein. Und im Gegensatz zum letztjährigen Promi-Coup, als die weltbekannte Ex-Eisprinzessin Kati Witt die Rolle der lebensprallen Geliebten des erst durch den Tod geläuterten, reichen Prassers Jedermann spielte, ist Eva Habermann eher inländischen Fans von Romantikschmonzetten und Familienserien in ARD und ZDF als die nette Blauäugige mit den Apfelbäckchen vertraut. Sie sei nicht so bekannt, dass es ein Brüller ist, weiß auch Regisseurin Grothum, die in 24 Jahren „Jedermann“ schon so manche Größe durch Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel geschreddert hat und jetzt auch Herbert Feuerstein, Ilja Richter oder Ursula Karusseit aufbietet. Doch diesmal sollte es nach der brünetten Kati unbedingt eine Blonde sein. „Und zwar naturblond, nicht gefärbt – das ist nämlich ganz was anderes“, sagt Grothum. Inwiefern? „Die Naturblonde hat ein anderes Timbre, einen anderen Hautton, ihr ganzes Wesen ist ein blondes“, sagt Grothum. Auch Winfried Glatzeder, der 2008 schon mal mitgespielt hat, und sich an der Seite der in sündiges Rot gekleideten, neuen Buhlschaft als sarkastisch-väterlicher Grandseigneur darstellt, ist erfreut über den Farbwechsel: „Blond gefällt mir gut.“ Bei der Wahl seiner Rollen ist die 1945 geborene Ost-West-Schauspiellegende weniger abwechslungsbedürftig: „Ich wiederhole mich gerne.“ 2008 habe er beim Rollenstudium noch seine liebe Not mit der „Kunstfertigkeit“ der Sprache im „Jedermann“ gehabt. Doch jetzt habe er sie „auf der schleimigen Festplatte“.

Ihre Buhlschaft Eva Habermann, eine echt Hamburger Deern Jahrgang 1976, hat Grothum im Fernsehen ausgepeilt. Da saß sie in einer Talkrunde und sprach „locker, lustig, sexy“ über die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg, wo Habermann gerade an der Seite von Erol Sander und Ingo Naujoks erste Theatererfahrungen als Saloon-Lady Kitta LaBelle sammelt. Ihre zweite Theaterrolle, die Berliner Buhlschaft, will sie ähnlich anlegen: „körperlich, wollüstig, lebensfroh, naiv“. Die Figur sei schließlich eine Allegorie auf Liebe, Lust, Leben.

Mit Psychologie oder Modernismen wie drüben in Salzburg will auch Brigitte Grothum ihren diesjährigen „Jedermann“ keinesfalls verhunzen. „Da geht die Einfachheit der Parabel verloren“, sagt sie. Ganz ohne Glauben funktioniere das Bußspiel nun mal nicht, pflichten Grothum und Glatzeder einander bei, auch wenn’s nur Schicksalsglaube sei. Eva Habermann schweigt dazu und fühlt sich geadelt: „Das ist mein erster Klassiker.“

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