Berlin : Bloß gut!

Bernd Matthies

über Spandaus Glück mit der Geschichte Berlin und Spandau – das ist wie Hase und Igel. Praktisch alles, was die Berliner für sich reklamieren, ist draußen an der Havel schon früher da gewesen, wie sich nicht zuletzt an der Entwicklung eines recht bekannten skandinavischen Möbelhauses gezeigt hat; für viele Berliner war es lange Jahre der wichtigste Grund zur Einreise.

Der Igel aus dem Märchen freilich hat mit unlauteren Mitteln gearbeitet, und das wollen wir den umtriebigen Spandauern nun doch nicht unterstellen. Es ist also unzweifelhaft wahr, dass es in ihrer Gegend im Jahre 983 bereits eine slawische Siedlung gab, gut 250 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung Berlins.

Die historische Gerechtigkeit legt deshalb nahe, dass Spandau und nicht Berlin die Hauptstadtwürde zu tragen hätte. Der Bundestag würde in der für ihn mit einer Glaskuppel überwölbten Zitadelle tagen, die Insel Eiswerder wäre ein hübsches Kanzleramt, und die geistige wie geographische Nähe Potsdams hätte längst zu einer leisen Länderfusion geführt.

Vermutlich sagen sie jetzt in Spandau: Oh Gott, bloß gut, dass die Berliner sich immer vorgedrängelt haben. Hauptstadt! Na, und deshalb haben sie nun ihre Ruhe, zumal der Berliner seltener zum Möbelkauf vorbeikommt. Aber es gibt ja noch das Eiscafé Florida, den Weihnachtsmarkt, den Kolk. Ein paar Igel haben sie noch im Rennen. (Seite 15)

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