Berlin : Bloß nicht aus der Mode kommen

Die Bread&Butter startet mit einem neuen Konzept

Grit Thönnissen

Aufräumen können sie. Vor ein paar Wochen war die leer stehende Turbinenhalle an der Köpenicker Straße noch eine Ruine. Jetzt ist sie ein perfekter, besenreiner Veranstaltungsort. Zum ersten Mal initiierten die Bread&Butter-Macher etwas, was sie explizit nicht Modemesse nennen möchten – und das völlig zu Recht. Denn mit dem, was sie vor vier Jahren im Spandauer Siemens-Kabelwerk als Sport- und Streetwearmesse starteten, hat das „Kraftwerk“ nichts mehr zu tun.

Es gibt zwar ein paar Jeans von Levi’s und Turnschuhe von Adidas zu sehen, aber die 32 Marken, die sich in dem 12 000 Quadratmeter großen, fensterlosen, bunt beleuchteten Gebäude verteilt haben, bieten auch Fußmassagen, Getränke und viel Platz zum Ausruhen. „Ich will hier nichts verkaufen, ich will mich nur zeigen“, sagt Billa Mian. Der Kölner stellt seine neue Marke „Royal Rock“ vor. Aber eine richtige „Businessmesse“ fehlt ihm schon in Deutschland, jetzt wo die Bread&Butter, nach der Berlin-Absage, nur noch in Südeuropa präsent ist.

Aber sein Versprechen hat Karl-Heinz Müller gehalten: Auf keinen Fall wolle er mit seinem neuen Berliner Projekt seiner Modemesse in Barcelona, die in der vergangenen Woche mehr als 80 000 Besucher anzog, Konkurrenz machen. Für das nächste „Kraftwerk“ kündigt B&B-Chef Karl-Heinz Müller allerdings schon wieder mehr als 100 Marken an.

Auf der „Ideal“ scheint die Sonne auf die 51 überwiegend jungen und avantgardistischen Designer durch die großen Fenster vom Café Moskau. Hier geht es nur um Mode. Die Macher der Kleidung sitzen meist selbst auf den schlicht gestalteten Ständen und erklären gern die Details ihrer Arbeit. Zum Beispiel, wie sich das Licht im silbrig schimmernden Jersey des Kleides bricht und der Pullover ohne Kragen aussieht, der aus kleinen Wollknäueln besteht und auch einzeln als Schmuckstück getragen werden kann.

Die Erwartungshaltung, was das Modewochenende bringt, ist auch hier nicht hoch. Man gibt sich entspannt und froher Hoffnung. Schließlich wurde kurz nach Türöffnung um 9 Uhr eine Gruppe japanischer Einkäufer gesichtet, die als Kunden gerade für die kleineren Designermarken so wichtig sind.

Wer etwas entdecken will, ist auf der „Ideal“ richtig – hier zeigen viele zum ersten Mal, wie die Schweizer Designer von „Marthuba“, die den deutschen Markt erobern wollen. Auch die heimische Szene ist hier gut mit Marken wie „VonWedel & Tiedeken“, „Boessert&Schorn“, „Penkov“ und „Esther Perbandt“ vertreten.

Zur gelassenen Stimmung trägt auch bei, dass es auf der jetzt größten Berliner Messe, der „Premium“, und auch auf der mit 100 Marken kleineren „Spirit of Fashion“ gut läuft. Trotz des schlechten Wetters finden viele Besucher den Weg in die Hallen des ehemaligen Postgüterbahnhofs und in die Treptower Arena.

Die „Ideal“-Veranstalter sahen gestern nicht nur zufrieden, sondern auch müde aus. Die Nacht haben sie nämlich im neuen Cookies-Club verbracht. Dort zeigten am Freitag vier auf der Ideal ausstellenden Designer. Die Models schienen direkt aus dem idealisierten Berliner Nachtleben auf den Laufsteg gebeamt worden zu sein: In metallisch bunt gestreiften Leggins, pludrigen Glencheck-Blousons und signalroten Pullovern zu knallengen Röcken mit Rüschensaum sahen sie auf subversive Art sehr ausgehfein aus.

Viele der Gäste hatten da schon ein Modenschauenhopping hinter sich: Nur ein paar Straßen weiter präsentierten eine halbe Stunde zuvor sieben von der Brauerei Beck’s ausgewählte Modeschulabsolventen ihre teils sehr überkonstruierten und -dekorierten Kollektionen. Es war genau die richtige Mischung, um sich über das um den Laufsteg drängelnde Modevolk zu amüsieren.

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