Berlin : Blühende Landschaft

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Christian van Lessen über

blumige Investitionen in harten Zeiten

Ist nicht liebreizend, was uns da blüht zur Kirschblütenzeit, im „Garten des fließenden Wassers“? Rund 80 japanische Zierkirschbäume, Stauden und Gewächse an verschlungenen Pfaden, dazu ein Pavillon mit einem Dach aus Zedernholz, und und und. Dazwischen stehen Bänke zum Meditieren, und weil das Ganze auch hügelig ist, gibt es Aus und Weitblicke. Zu schön, um wahr zu sein?

Es ist wirklich wahr, und es wird auch wunderschön werden im Erholungspark in Marzahn, dem Bezirk der aufgehenden Sonne. „Yuu Sui En“ heißt fließender Wassergarten, und für ihn flossen zwei Millionen Euro.

Es gab private Spender, aber satte 80 Prozent des Geldes wurden großzügig mit öffentlichen Zuschüssen finanziert. Der Wirtschaftssenator will damit die „regionale Wirtschaftsstruktur“ fördern. Und er möchte nun auch einen islamischen Garten anlegen lassen, 4,4 Millionen Euro sind bewilligt, Land und Bund zahlen jeweils die Hälfte. Irgendwie hat er das trotz aller Sparzwänge geschafft. Wir sind sicher, dass die regionale Wirtschaft wegen der kommenden Blütezeit Freudensprünge macht, denn exotisch blühende Landschaften können nur der Anfang sein, um die Stadt und ihre Wirtschaft aus den roten Zahlen zu holen.

Wir regen an dieser Stelle, nur als Beispiel, für das Brachland am Bahnhof Zoo statt eines Hochhauses einen pflegeleichten Sahara-Garten an. Freuen wir uns also, dass die Stadt Geld, das sie nicht hat, in exotische Gärten investiert. Wer sich da an all das Geld erinnert, das für den vergammelten Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park ausgegeben wurde, der sollte fernöstliche Gelassenheit üben, wozu er bald den passenden Platz findet. Wie sähe es dort aus, wenn, streng nach Kassenlage, nur ein einziges Bonsaibäumchen stünde?

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