Berlin : Blümchen und DJ Bobo: Keine Kindersicherung auf Planet Pop

Esther Kogelboom

Jasmin Wagner will nicht länger Blümchen sein. Sie ist jetzt 20 Jahre alt, und hinter ihr liegen fünf erfolgreiche Jahre im Showgeschäft. Das passt auch nicht mehr zusammen, wie der ehemalige Teenie-Star im glänzenden lilafarbenen Nichts auf der Bühne in der Columbia-Halle steht und aus den Boxen dröhnt dazu Kinder-Techno: Blümchen ist erwachsen, aber ihre Fans würden am liebsten die Zeit anhalten.

Henriette und Theres, beide neun Jahre und aus dem Dörfchen Gussow, kamen in Begleitung ihrer Mütter mit der S-Bahn zum Berliner Auftakt der Abschiedstornee. "Schade, jetzt haben wir die Lieder nur noch auf CD", meinen die beiden Mädchen mit den Blümchen-Haarspangen und Blümchen T-Shirts. Henriette und Theres sind ein bisschen verliebt in Jasmin: "Bei Blümchen haben wir Schmetterlinge im Bauch." Die Schule schmeißen für eine Karriere als Sängerin, ganz nach Jasmin Wagners Vorbild - die Mädchen würden es tun, ohne mit der Wimper zu zucken. Die nötigen Tanzschritte wollen sie sich heute abend abgucken - da gibt es ganz schön viel zu gucken. Blümchen kann sehr gut tanzen, und ihre Frisur deutet darauf hin, dass sie demnächst Rastahaare haben und auf der Punk-Welle surfen wird. Nach dem Abitur.

Die kleinen Jungs im Vorprogramm von Blümchen sind auch erst um die zehn. Double Burger heißt die erfolgversprechende Formation. "I love you too much to treat you wrong", singen sie, "every day and every night." Blümchens potenzielle Nachfolgerin wird der kindlichen Zielgruppe gleich danach auf dem Silbertablett angeboten: Spacebell, frühreife 14. Blümchens letzte Platte heißt noch "Die Welt gehört dir", Spacebell besingt schon das ganze Universum. Die Erziehungsberechtigten in den letzten Reihen reagieren nicht, wenn vorne jemand "Berlin, ich will eure Hände sehen" brüllt. Die Hände tief in die Manteltaschen vergraben, stehen sie da und hoffen, pünktlich zu den Tagesthemen wieder zuhause zu sein.

Während Blümchen Schluss macht mit dem Kinderkram, dreht DJ Bobo erst richtig auf. Der kleine Schweizer kam ins Cinemaxx am Potsdamer Platz, um sein neues Album vorzustellen. Auch DJ Bobo war in den vergangenen Jahren ein Dauerbrenner in den deutschen Charts, auch DJ Bobos Satellit kreist um Liebe, Party und goldene Schallplatten. "Planet Colors" - schon wieder steht unsere kleine, schöne Welt im Mittelpunkt. "Sie brennen doch bestimmt darauf, den Künstler zu bohren", meint DJ Bobos findige PR-Agentin. Doch zuerst gibt es einen Kurzfilm über Leben und Werk des Schweizers - "eine bombastische Präsentation". Morgen ist DJ Bobo bei "Wetten, dass..." zu Gast und deswegen schon jetzt nervös: "Ich komme nämlich nicht alleine, sondern bringe die Irene Cara mit." Irene Cara sang damals bei Flashdance "What a feeling". Den Hit hat DJ Bobo gemeinsam mit Cara erneut aufgenommen. Zu Flashdance-Zeiten hat der durch seinen pompösen Bühnen-Shows berühmt gewordene Sänger und Rapper die ersten Tanzversuche unternommen. Gesangsunterricht hatte DJ Bobo nie, obwohl er auf seiner am 5. Februar erscheinenden Platte deutlich mehr singt als früher. Behauptet seine PR-Frau.

Übrigens - DJ Bobo heißt DJ Bobo, weil er wirklich einmal Diskjockey und "Bobo" die Grafitti-Unterschrift, das "Tag", des Popstars war. Für den Künstler sieht die Welt gerade ganz besonders rosig aus: Er hat sich vor kurzem verlobt. "Ich bin sehr glücklich, meine Prinzessin am 9. August heiraten zu dürfen", sagt Bobo. "Es wird eine recht große Hochzeit. Eventuell gibt es einen Gospel-Chor." Und vielleicht Nachwuchs für den Pop-Planten.

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