Berlin : Blumen statt Buchsbaum

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STADTMENSCHEN

Nein, kein Sängerkrieg am Hanseatenweg. Aber auch kein strapaziöser Rednermarathon, obwohl die abschreckend große Zahl von neun Rednern aufgeboten worden war, um György Konrad zu seinem 70. Geburtstag zu preisen. Also ein kleines Wunder. Weshalb? Erstens hielten sich alle an die ihnen zugebilligte Zeit. Und zweitens entstand dabei ein liebevoll ausgemaltes Bild des Mannes, der vor sechs Jahren, im Mai 1997 an die Spitze der Akademie der Künste gewählt worden war – in „Tag und Nacht-Debatten“ ( Walter Jens ). Da fehlte es nicht an einfühlsamer Kolorierung noch an reflektierten Konturen. Jeder gab, was er hatte. Jens im Hofmannsthal-Ton: Konrad sei „eine wahre Rekreation“. Klaus Wowereit in der staatsoffiziellen Referenten-Prosa: Ein „Glück für Berlin“. Kulturstaatsministerin Christina Weiss mit dem Rückgriff in die mitteleuropäische Dissidenten-Ära: „Ihr Mut ist unsere Freiheit“. Antje Vollmer mit einer Liebeserklärung für Stimme und helle Melancholie. Und so weiter. So etwas kann peinlich wirken. Hier wirkte es nur zutreffend. Was alles zusammen davon ablenkte, dass die Akademie dem Anlass einiges schuldig blieb. Nichts von der Fantasie, die diese Vereinigung von kreativen Geistern aufbringen könnte, schwebte über diesem Abend. Bach am Anfang, Frank Michael Beyer am Ende, Cello und Klavier, Blumen statt Buchsbaum – ein Hauch von 50-Jahre-Feierlichkeiten. Dafür ein großer Auflauf der Berliner Kulturtäter, unter die sich Aktiv- und Alt-Präsidenten, Minister und Abgeordneten mischten – Johannes Rau , Wolfgang Thierse , Richard von Weizsäcker , Otto Schily , Joschka Fischer hatte kurzfristig abgesagt. György Konrad dankte nach k.u.k. Art: Kusshand für die Damen, Komplimente für Berlin und seine kulturelle Klasse. Rdh.

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