Berlin : Blumen und Kerzen für die Opfer des Tsunami

Zum Gedenkgottesdienst kam auch Bundespräsident Horst Köhler, um die Hinterbliebenen zu trösten und ihnen Mut zuzusprechen

Annette Kögel

Tot ist nicht, wer gestorben ist, sondern wer vergessen ist. Worte des Trostes vom Berliner Notfallseelsorger Jörg Kluge, Pfarrer der Kirchengemeinde Alt-Tempelhof, die den Gedenkgottesdienst für die Hinterbliebenen am gestrigen Jahrestag des Tsunami ausrichtete. Damit die Opfer aus Berlin und Brandenburg nicht vergessen werden, haben Angehörige die Namen in Stein meißeln lassen. Der Stein aus Sandstein mit 43 Namen wurde gestern auf dem Friedhof der Gemeinde in Alt-Tempelhof enthüllt – oben auf dem Stein sind Wellen, die sich immer höher aufbäumen. Väter, Kinder, Tanten, Großeltern legten im Anschluss an den Gottesdienst vor der Stele Blumen und Kerzen ab, und Blechbläser spielten. Bundespräsident Horst Köhler war überraschend zum Gedenkgottesdienst gekommen, auch er sprach zu den Anwesenden und traf sich danach mit ihnen im kleinsten Kreise.

Er hörte Angehörige wie Anke George, die selbst im Wasser um Luft und Leben rang und die ihren Mann verlor. Sie könne diesen Satz jetzt aussprechen, sagte sie: „Ich durfte überleben.“ Denn vielen sei es nicht gelungen, das zweite Leben nach der Welle anzunehmen. Sie genieße jetzt Kleinigkeiten, lasse sich nicht von Alltagssorgen stressen, sagt die Frau, die sich mit anderen Betroffenen aus der Selbsthilfegruppe um Pfarrer Kluge für die Stele einsetzte. Bundespräsident Köhler sagte, wie schwer nachvollziehbar das Leid sei, gleich mehrere geliebte Menschen zu verlieren. Er dankte jenen, die in Katastrophenregionen helfen. Dann wurden die Namen der Getöteten verlesen, für jeden eine Kerze entzündet. Pfarrer Peter Paul Wentz erinnerte daran, dass Wasser, das doch sonst Leben spendet, so furchtbares Unglück bringen konnte. Kristina Lamp-Storch machte anderen Hinterbliebenen Mut zum Blick nach vorn: „Du kannst deine Augen schließen und beten, dass sie wiederkommen – oder du kannst sie öffnen und sehen, was sie zurückgelassen haben.“

Bereits am Vormittag hatte die Königlich Thailändische Botschaft in der Steglitzer Lepsiusstraße zu einer buddhistischen Gedenkzeremonie mit Botschaftern und Konsulatsvertretern der Länder im Indischen Ozean geladen. Mönche mit leuchtend orange- und ockerfarbenen Gewändern zelebrierten in eindringlichem Singsang in indischer Sprache Gebete für die Verstorbenen und gute Wünsche für die Hinterbliebenen. Jeder Gast – die meisten von ihnen Asiaten – bekam eine Kerze, und alle hielten in einer Schweigeminute inne. Nach der Zeremonie überreichte die thailändische Botschafterin Cholchineepan Chiranond den Mönchen nach altem Brauch Dankesgeschenke für den Alltag wie Zahnpasta und Milchpulver, dann wurden die Geistlichen an einer großen Tafel beköstigt. Und viele Anwesende dankten einer höheren Macht dafür, dass sie am Tag der Katastrophe nicht am Strand waren. Wie die thailändische Berlinerin, die keine Lust hatte zu baden, oder das Ehepaar aus Neukölln, das die Reise ins geliebte Ferienparadies Khao Lak erst für Januar gebucht hatte.

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