Berlin : Blutige Rache nach der Trennung der Mutter

Erst attackierten Vater und Söhne den Nebenbuhler Dann soll Erdal Ö. die Großeltern umgebracht haben

Kerstin Gehrke

Der Sohn soll allein verantwortlich sein. So stellte es gestern der Vater da. „Erdal hat erst mit einer Hantel zugeschlagen, dann zog er ein Fleischmesser und stach zu“, erklärte Sahin Ö. vor dem Landgericht. Er könne sich nicht erklären, wie die Dinge eine so schreckliche Wendung nahmen. „Wir waren so lange eine glückliche Familie.“ Bis zum vergangenen Herbst, als ihn die Mutter seiner vier Kinder verließ. Im Januar sollen er und Erdal den neuen Freund der Frau misshandelt haben. Zwei Monate später brachte der 18-Jährige den Ermittlungen zufolge seine Großeltern grausam um. Vermutlich aus Rache.

Der 43-jährige Vater sitzt seit gestern auf der Anklagebank. Ohne den Sohn, der wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzt. Demnächst soll gegen ihn Anklage erhoben werden. Doch heute geht es um den Vater und den Überfall auf den neuen Partner seiner Lebensgefährtin. Am 8. Januar soll er mit Erdal und seinem 12-jährigen Sohn nach Neukölln gefahren sein, wo Claudia W. seit der Trennung lebte. „Um die Frau mitzunehmen“, heißt es in der Anklage.

21 Jahre waren Sahin Ö. und Claudia W. ein Paar ohne Trauschein. Der älteste Sohn ist 18 Jahre alt, das jüngste Kind 9. Es sei eine gute Beziehung gewesen, sagte der Angeklagte. „Ich liebe meine Frau über alles.“ Bis auf ein „paar Kleinigkeiten“ sei alles in Ordnung gewesen. „Ein oder zwei Backpfeifen, aber ich habe sie nicht brutal geschlagen.“ Sahin Ö. wird gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll den Rivalen festgehalten und Sohn Erdal aufgefordert haben, in den Bauch des Opfers zu stechen. Als sich der bereits in Hüfte, Gesäß und Oberschenkel getroffene Mammon R. erheben wollte, soll Sahin Ö. drei Blumenvasen auf den Nebenbuhler geworfen haben. Erdal griff sich laut Anklage dann Scherben und zerkratzte dem 33-jährigen R. das Gesicht.

Erdal tauchte nach dem Überfall unter. Zwei Monate später wurden in einer Wohnung an der Druckerkehre in Rudow zwei Leichen entdeckt. Die 74-jährige Frau und der zehn Jahre jüngere Mann – die Eltern von Claudia W. – waren erstochen worden. Bald fiel der Verdacht auf den Enkelsohn.

Die Getöteten sollen ihre Tochter stets unterstützt und die Trennung befürwortet haben. „Der Junge war frustriert“, sagte der Vater über seinen Ältesten. Sahin Ö. scheint der Mutter die Schuld an der Tragödie geben zu wollen. „Ich wollte mit ihr reden, sie gab mir keine Chance.“ Die Kinder hätten zuerst nicht glauben wollen, dass ein anderer Mann im Spiel war. Die Mutter habe ihre Kinder im Stich gelassen und schlecht über ihn, den Vater, gesprochen. Nur weil seine beiden Söhne so bettelten, sei er am Tattag zu seiner Frau gefahren. „Die Jungs hatten ihre Mutter so lange nicht gesehen.“ Eigentlich habe er gar nicht aussteigen wollen. „Aber sie wollte nicht mit den Kindern reden.“ Ganz freundlich habe er sie angesprochen. „Wenn ich gewusst hätte, dass Erdal ein Messer eingesteckt hat, hätte ich es ihm sofort weggenommen“, behauptete der Vater.

Von fünf Personenschützern begleitet und sichtlich ängstlich betrat das Opfer den Gerichtssaal. Mammon R. sagte, beide, Vater und Sohn, hätten ihn brutal attackiert. Als sein Kopf nach dem Schlag mit der 12-Kilo-Hantel bereits stark blutete, habe Sahin Ö. seinen Sohn gefragt: „Wo ist das Messer?“ Am 1. Juli sollen Erdal und seine Mutter als Zeugen befragt werden. Kerstin Gehrke

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