Berlin : Blutrünstiges in der Landesvertretung

hema

Wo sonst Diplomaten und andere prominente Vertreter des Berliner Parketts Champagner zum Small Talk gereicht bekommen, gab es jüngst "Blut und Blusen". Damit lockte der Berliner Designer Hans Jürgen Bremermann seine Klientel in die Hiroshimastraße 24. Dort freute sich Jutta Wagner als abendliche "Haushüterin" über die ungewohnt bunt zusammengewürfelte, aber überwiegend schwarz gekleidete Gesellschaft in der Bremer Landesvertretung - fast alles Klientel von Bremermann. Der Mann heißt nicht nur so, sondern ist wirklich Bremer - und dem wollte man die Bitte um die heimatliche Lokalität als Schauplatz seines modischen Defilees nicht abschlagen. Nicht das erste Defilee des jungen Designers. Im vergangenen Jahr hatte er mit dem verräucherten BKA-Luftschloss ein weniger glückliches Händchen bei der Wahl des Schauplatzes für seine Mode, die unter dem Label "HJB" firmiert. Geraucht wurde diesmal von den Gästen zwar auch, aber nur im Vorraum. Ansonsten war "Berauschende Stille" das Motto des Abends, zu dem Christiane Scherer das angekündigte "Blut" beisteuerte. Die junge Frau zeigte sich dazu nicht nur mit passend blutroter Frisur, Lippen und Augenlidern, sondern las auch allerlei mehr oder minder Blutrünstiges aus Büchern vor, die unter ihrem Pseudonym Thea Dorn eine wachsende Fangemeinde haben. Zwischen den einzelnen Krimi-Lesestücken schlichen die Models des gelernten Maßschneiders, der seit 1998 seine Mode im eigenen Atelier entwirft und verkauft, kriminell langsam durch den Raum. Recht "blutrünstig" geschminkt und neben schwarz, auch dunkelkariert, knallrot, türkis und cognacfarben gekleidet. Alles in der üblichen HJB-Linie - puristisch-elegant und mit Nähten, die das am Abend leider zu dunkle Licht nicht zu scheuen brauchen. Ein Wintermantel mit langer Schleppe ist im Berliner Schmuddelwetter dabei wohl eher ein Wagnis. Wer sich das edle Stück aus dunkelgrünem Harris-Tweed für 3900 Mark bei Hans Jürgen Bremermann leisten kann, hat aber sicher auch die Limousine dazu. Brigitte-Maria Mayer konnte man nicht danach fragen, die Witwe Heiner Müllers und HJB-Kundin, tauchte nach der Show sofort ab. Zum kleinen, aber feinen Kundenkreis der Mode des Bremers Bremermann gehört auch der ehemalige schwedische Tenor der Staatsoper, Pär Lindskog, am Abend dunkelkariert - ausnahmsweise nicht von HJB.

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