Berlin : Böger: Kein WM-frei wie in Hamburg

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Hamburg und Berlin werden gern verglichen, und diesmal werden die Jugendlichen der östlicher gelegenen Metropole neidisch auf die Altersgenossen in der Stadt an der Elbe gucken. Denn „die 220 000 Hamburger Schüler sollen zum WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Südkorea mittags schulfrei bekommen“, meldete die Nachrichtenagentur AP gestern. Doch die Berliner Behörden beeindruckt das wenig – sie bleiben bei ihrer Linie. Wie berichtet, will Bildungssenator Klaus Böger (SPD) keine Weisung zum fußballbedingten Ausfall von Unterrichtsstunden herausgeben. Im Gegenteil.

„Wir setzen auf die Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit der Schulen“, sagte Böger-Sprecherin Rita Hermanns. Die Schulleiter und Lehrer müssten es den Eltern gegenüber selbst verantworten, ob sie auf den Unterricht verzichten können. Viele Lehrer geben dann einfach mehr „Mathepäckchen zum Ausrechnen auf oder lassen ein Referat ausarbeiten“, so Frau Hermanns. Es spräche auch nichts dagegen, dass die Schulen Fernseher aufstellen – und nicht nur das Spiel verfolgen. Es ließe sich auch vortrefflich das Sozialverhalten einzelner Spieler diskutieren, die Bedeutung von Mannschaftsgeist im Verhältnis zu jedem einzelnen auf dem Platz, auch Ausländerpolitik und Integration seien am Beispiel Fußball lebensnah zu diskutieren. Allzu viele Schüler sind vom Unterricht ohnehin nicht betroffen: Um 13 Uhr 15 endet die sechste Stunde, der wohl nach wie vor klassische Unterrichtsschluss.

Die Schüler von Berufs- und Ganztagsschulen, Gymnasien und anderen Schulen, die noch am Nachmittag unterrichtet werden, können auch keine Hoffnungen in das Wetter setzen. Tanja Lamprecht vom privaten Wetterdienst Meteomedia prognostiziert für morgen und Mittwoch keine Temperaturen, die ein Hitzefrei rechtfertigten. Unterdessen scheinen auch andere Städte die Berliner Linie zu fahren. In München sagte Brigitte Waltenberger, Sprecherin im Kultusministerium, um die Zeit hätten ohnehin noch die wenigsten Schüler Unterricht.

Unterdessen gibt sich Senator Böger kulant, was die Unterrichtsbefreiung zum Endspiel angeht, meinte seine Sprecherin gestern mit einem Augenzwinkern. Das Finale ist bekanntlich am Sonntag. kög

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