Berlin : Böger könnte heute baden gehen

Susanne Vieth-Entus

Die von der rot-roten Koalition mit heißer Nadel gestrickte Liste zur Bäder-Schließung ist offenbar nicht mehrheitsfähig. Möglicherweise wird Sportsenator Klaus Böger (SPD) deshalb darauf verzichten, die umstrittenen Sparpläne in der heutigen Aufsichtsratssitzung zur Abstimmung vorzulegen. Inzwischen sickern immer mehr Ungereimtheiten hinsichtlich der Liste durch. Wichtige Daten fehlen, ein Freibad wurde schlicht "vergessen".

Auf einige Fehler hat der Präsident der Wasserfreunde Spandau 04, Hagen Stamm, die Aufsichtsratsmitglieder jetzt schriftlich hingewiesen. So ist auf der Schließungsliste nur von Hallenbädern die Rede, obwohl zu dem bedrohten Forumbad am Olympiastadion auch ein Freibad gehört. Dies aber war nicht einmal allen Entscheidungsträgern der Berliner Bäderbetriebe (BBB) bekannt, geschweige denn den Koalitionären. Kein Wunder also, dass sich die Betroffenen verschaukelt fühlen.

Aber auch sonst wird viel mit falschen Angaben gearbeitet. So erzählen die BBB immer gern, dass die Vereine das Forumbad gar nicht brauchen: Schließlich sei es Alliiertenbad gewesen und daher für die Vereine nicht zugänglich. Falsch - denn schon "bei den Briten" durften die Wasserfreunde an drei Tagen pro Woche das Bad nutzen. Ebenso falsch ist die Warnung vor einem "Investitionsstau" am Forumbad, denn die defekte Heizung wurde längst erneuert.

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Das eigentlich Problem beim Streit um die Sparpläne ist, dass bis heute keine objektive Rangliste vorliegt, die Grundlage für eine Schließungsdiskussion sein müsste. Offenbar waren die BBB bisher nicht in der Lage, alle wichtigen Kriterien zu sammeln, zu gewichten und auf dem aktuellen Stand zu halten. Auch hätten sie längst zusammen mit dem Landesschulamt klären müssen, welche Kapazitäten für den Schwimmunterricht tatsächlich gebraucht werden. Dem Vernehmen nach blockieren die Klassen in einigen Bädern mehr Wasserfläche als sie bei optimaler Einteilung brauchen würden. Auch die Sportvereine haben bisher nicht durch Bescheidenheit geglänzt, obwohl sie mit den Schulen immerhin über 47 Prozent der Bäderkapazitäten verfügen können.

Alles in allem wird Böger im Aufsichtsrat einen schweren Stand haben. Nicht nur von den sechs Arbeitnehmervertretern wird erwartet, dass sie die Schließungspläne ablehnen, weil Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Auch auf der Arbeitgeberseite sind "unsichere Kandidaten" wie die Bezirkspolitiker der CDU. Ihre Partei hat sich bereits öffentlich gegen die Schließungspläne positioniert.

"Die Schließungspläne werden erörtert, aber ob es einen Beschluss geben wird, ist unklar", teilte gestern Bögers Sprecher Thomas John zurückhaltend mit. Dass die Bäderliste fehlerhaft ist und deshalb kaum mehrheitsfähig, wollte er nicht bestätigen.

Der Schwarze Peter dürfte jetzt von der Koalition an die Bäderbetriebe wandern: Falls die Schließungliste nicht akzeptiert wird, muss Bäderchef Klaus Lipinsky neue Vorschläge machen. Dann könnte es passieren, dass etwa das Pankower Bad von der Liste verschwindet, für das es keine Ausweichmöglichkeit gibt. Auch die Kleine Schwimmhalle an der Wuhlheide, die Cité Foch, das Forumbad und das Stadbad Wedding. Aber welche Bäder stattdessen auf die Liste kommen, steht zurzeit in den Sternen.

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