Berlin : Böger lässt Grundschüler rechnen

Bildungssenator bittet alle Zweit- und Viertklässler zu Vergleichstests in Mathematik und Deutsch

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In Berlins Grundschulen werden in diesem Jahr erstmals flächendeckend Vergleichsarbeiten in den zweiten und vierten Klassen geschrieben. Dies bedeutet, dass über 50 000 Kinder Aufgaben in Mathematik und Deutsch lösen müssen, die zentral von der Senatsverwaltung für Bildung vorgegeben werden. Auf diese Weise kann jede Schule genau feststellen, wie der Wissenstand ihrer Kinder im Vergleich mit allen anderen Grundschulen ist und dieses Ergebnis auch publik machen.

„Die Schulkonferenz kann mit ZweiDrittel-Mehrheit entscheiden, ob sie das Resultat veröffentlicht“, erläutert Rita Hermanns, Sprecherin von Bildungssenator Klaus Böger. Dass eine erfolgreiche Schule damit werben kann, ist nur als Nebeneffekt der Vergleichsarbeiten gedacht. In erster Linie sollen die Ergebnisse den Lehrern zeigen, ob die Schüler die landesweit vorausgesetzten Wissensstandards in der jeweiligen Klassenstufe erreichen. Dies ermögliche eine „pädagogische Standortbestimmung“, heißt es in einem Rundschreiben der Senatsverwaltung an alle Grundschulen.

Den Anfang machen die zweiten Klassen. 26 000 Schüler schreiben am 18. Mai eine 45-minütige Arbeit in Deutsch und am 16. Juni in Mathematik. Die rund 24 000 Viertklässler sind erst kommendes Schuljahr dran. Sie müssen am 28. September 50 Minuten lang über ihren Mathematik- und am 30. September 100 Minuten lang über ihren Deutschaufgaben brüten. Die Schulen können später im Internet nachlesen, welche Punktzahl von den anderen Schulen erreicht wurde und auf diese Weise ihren Platz in der Rangfolge feststellen. Die einzelne Schule bleibt dabei aber anonym – es sei denn, die Schulkonferenz, die sich aus Lehrern, Eltern und Schülern zusammensetzt, entscheidet, das Ergebnis zu publizieren.

Für die Viertklässler gab es bereits einen Probedurchlauf für die Vergleichsarbeiten. 21 Grundschulen hatten im November 2003 eine zentral vorgegebene Mathematikarbeit geschrieben. Auf diese Weise sollte herausgefunden werden, ob die Aufgaben in der Praxis „funktionieren“, also überhaupt von den Kindern verstanden werden. Laut Sprecherin Hermanns wurden einige Veränderungen in der Aufgabenstellung vorgenommen.

Die Vergleichsarbeiten sind eine der vielen Konsequenzen aus Deutschlands schlechtem Abschneiden bei der Pisa-Studie. Für Berlin entworfen wurden die Aufgaben im neu gegründeten Referat für Qualitätsentwicklung der Senatsbildungsverwaltung unter der Regie des vor acht Jahren aus Hessen nach Berlin „importierten“ Bildungsreformers Tom Stryck. Stryck ist ein vehementer Verfechter von Vergleichsarbeiten, die dieses Jahr auch erstmals von allen zehnten Klassen geschrieben werden. sve

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