• Böger: Schulen sollten Brandenburg nicht generell meiden Senator „tief betroffen“ über Angriff auf Schüler. Täter sind flüchtig

Berlin : Böger: Schulen sollten Brandenburg nicht generell meiden Senator „tief betroffen“ über Angriff auf Schüler. Täter sind flüchtig

Lars von Törne

Schulsenator Klaus Böger (SPD) hat an Berlins Lehrer und Schüler appelliert, sich durch Gewalttaten nicht von Schulausflügen ins Umland abhalten zu lassen. Zugleich zeigte sich Böger „tief betroffen“ über die Attacke auf eine Schöneberger Schulklasse am Wochenende. Die Jugendlichen und ihre Lehrerinnen waren, wie berichtet, im brandenburgischen Kemnitz von mehr als zehn Männern brutal überfallen und beraubt worden. „Dennoch gibt es keinen Grund, Brandenburg generell zu meiden“, sagte Bögers Sprecher Thomas John dem Tagesspiegel am Montag. Alleine im vergangenen Jahr seien 6000 Schulklassen nach Brandenburg gereist. Überfallen wurde keine einzige.

Die Suche nach den Tätern verlief bislang erfolglos. Sie waren in der Nacht auf Sonnabend mit Baseballschlägern und Eisenstangen bewaffnet in die Pension der Berliner eingedrungen, verletzten einen Jugendlichen, raubten die Wertsachen der Schüler und flüchteten. Bis Redaktionsschluss hatte die Polizei noch keine heiße Spur. Den Ermittlern zufolge hatte es vor der Tat eine verbale Auseinandersetzung zwischen den Berliner Schülern und jugendlichen Badegästen gegeben. Diese kämen als Täter in Betracht.

Schulsenator Böger bezeichnete die Attacke als „schwer wiegenden, aber absoluten Einzelfall“. Er warnte vor Überreaktionen anderer Schulen. Statt jetzt Fahrten nach Brandenburg abzusagen, sei es wichtig, den Austausch zwischen beiden Ländern zu fördern. „Nur durch das gegenseitige Kennenlernen können Ängste und Vorbehalte abgebaut werden“, sagte Bögers Sprecher. Bei manchen Klassen dürfte der Appell jedoch ungehört verhallen. Viele Lehrer und Schüler haben es bereits erlebt, dass sie in Brandenburg angegriffen oder belästigt wurden. „Von uns fahren nur noch Klassen nach Brandenburg, in denen keine farbigen Schüler oder Mädchen mit Kopftuch sind – die anderen fahren an die Nordsee“, sagt der Direktor der Lankwitzer Beethoven-Oberschule, Wolfgang Harnischfeger. Vor zwölf Jahren war ein farbiger Schüler seiner Schule in Brandenburg angepöbelt worden. In der Neuköllner Albert-Einstein-Oberschule werden die Lehrer angehalten, bei Ausflügen ins Umland Mobiltelefone dabeizuhaben, um im Notfall schnell Hilfe holen zu können, sagt der stellvertretende Direktor Holger Ambrosius. Ganz rigoros ist die Goethe-Oberschule in Lichterfelde: Seit einem Überfall 1997 finden keine Exkursionen nach Brandenburg mehr statt, sagt Direktor Heinrich Zacharias.

Wie die Polizei erst gestern bekannt gab, war am Wochenende in Bernau auch eine aus Berlin angereiste Gruppe russischsprachiger Jugendlicher angegriffen und beschimpft worden. Die drei Angreifer wurden festgenommen.

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