Berlin : Böger trainiert für Olympia

„Das ist hier kein Urlaub“, sagt der Sportsenator in Athen. Er will zeigen, dass Berlin bereit ist für die Spiele

Robert Ide[Athen]

Klaus Böger hat eines gelernt in Athen: Wer im Sport erfolgreich sein will, muss immer trainieren. Der Berliner Sportsenator ist in diesen Tagen bei den Olympischen Spielen in der griechischen Hauptstadt, doch Zeit für Vergnügen bleibt ihm kaum. Böger hetzt mit seinem Chef Klaus Wowereit von Termin zu Termin, um Berlin international als Sportstadt anzupreisen. „Das ist hier kein Urlaub“, verteidigt sich Böger vorsichtshalber, wenn man ihn im Haus der deutschen Mannschaft in Athen trifft – im Freizeithemd.

Berlin will auch die Olympischen Spiele haben. Nach dem Debakel beim Rennen um die Spiele 2000 fühlt sich der Senat wieder in der Lage, sich um das größte Sportereignis der Welt zu bewerben. „Wir stehen bereit, wenn eine europäische Stadt tatsächlich eine Chance haben sollte", sagt Böger. Im kommenden Jahr entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die Vergabe der Spiele 2012; der deutsche Kandidat Leipzig ist bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Nun sind noch Paris, London, Madrid, Moskau und New York übrig. Sollten die Amerikaner das Rennen machen, könnte eine europäische Stadt gute Chancen für 2016 haben – allerdings wohl nur dann. „Wir würden antreten“, kündigt Böger bereits an. In Deutschland gibt es derzeit nur eine Stadt, die ähnlich offensiv mit einer möglichen Olympia-Bewerbung umgeht: Hamburg. Andere deutsche Städte kommen aus Sicht vieler nationaler Sportfunktionäre nicht infrage. Schließlich hatte das IOC in diesem Jahr Leipzig aussortiert, weil die Stadt als zu klein eingestuft wurde.

Neben dem langfristigen Traum will die Sportstadt Berlin zwei kurzfristige Ziele erreichen. Zunächst einmal geht es um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009, die im gerade neu eröffneten Olympiastadion stattfinden soll. Am Mittwoch traf sich Klaus Böger in Athen mit Vertretern des Leichtathletik-Weltverbandes, um für die neue Arena mit der blauen Laufbahn und die Stadt zu werben. Als härtester Konkurrent gilt hier Brüssel, das – wie Berlin – jedes Jahr ein sehr stimmungsvolles Leichtathletik-Meeting veranstaltet.

Auf dem Programm der Berliner Delegation in Athen steht ein Besuch der Beachvolleyball-Wettbewerbe. Auch der hat nicht nur Freizeitwert. Berlin möchte weiterhin Station für die wichtige Grand-Slam-Serie im Beachvolleyball sein; bisher ist das nur bis zum kommenden Jahr der Fall. Paris bietet sich derzeit hartnäckig als Alternative an. Und vielleicht wird Athen das auch bald tun, nachdem es sich für Olympia ein faszinierendes Stadion erschaffen hat. Unter dem geschwungenen Dach findet derzeit täglich eine tolle Party aus Sport, Musik und Unterhaltung statt. „Wenn die hier so weitermachen, werden sie auch ein Konkurrent“, sagt Böger.

Hamburg, Brüssel, Athen – das sind Berlins Mitbewerber um künftige Sportevents. Klaus Böger kämpft im Freizeithemd für Berlins Chancen. Doch am Ende ist er abhängig von den Entscheidungen der Sportverbände, und danach könnte sich der ganze Aufwand als sinnlos herausstellen. Vor allem beim Thema Olympia. Dass eine europäische Stadt überhaupt eine Chance für die Spiele 2016 hat, erscheint vielen Sportfunktionären unwahrscheinlich. „Die Spiele 2012 gehen bestimmt nicht nach New York“, sagt Dieter Graf Landsberg-Velen, der Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees. „Deshalb sollte sich keiner wegen 2016 verrückt machen.“

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