Berlin : Böger unter Druck wegen Islamkunde

Immer mehr fordern staatliche Aufsicht – Niedersachsen prüft Konzept

-

Ausgerechnet die deutsche Stadt mit der größten Zahl von Muslimen droht ins Hintertreffen beim Islamunterricht zu geraten. Während Niedersachsen am Mittwoch ankündigte, allen muslimischen Kindern eine religiöse Unterweisung in deutscher Sprache anbieten zu wollen, hat Berlin noch immer kein Konzept für seine rund 100 000 Schüler muslimischen Glaubens.

Alles, was ihnen zurzeit geboten wird, ist der Unterricht der Islamischen Föderation und der Alewiten. Zusammen erreichen diese beiden Organisationen rund 4500 Grundschüler. Die Föderation will expandieren. Jedoch werden diese Bestrebungen mit Argwohn betrachtet. Die Lehrer der Föderation würden nicht die Integration fördern, sagen etliche Schulleiter. Unter anderem wird der Föderation zur Last gelegt, dass sie den Schülern ein rückschrittliches Frauenbild vermittelt und sie darin bestärke, dem Schwimm und Sexualkundeunterricht und Klassenfahrten fernzubleiben.

Die Regierungsfraktionen hatten Bildungssenator Klaus Böger (SPD) vor einigen Monaten beauftragt, ein Konzept für ein Pflichtfach Ethik-Religion vorzulegen. Noch ist allerdings unklar, wann es fertig ist, und welches Angebot es für die muslimischen Kinder enthalten wird.

Emine Demirbüken-Wegner, Mitglied im CDU-Landesvorstand, findet Islamunterricht in deutscher Sprache „total richtig“. Die Integrationsbeauftragte von Tempelhof-Schöneberg fordert außerdem, den Islamunterricht unter die deutsche Schulaufsicht zu stellen. Wenn man einen „islamischen Lehrstuhl“ schaffen würde, könnten Islamwissenschaftler für den Unterricht ausgebildet werden, die säkularisiert und „keine Fanatiker“ seien.

Seit Jahren wird in Berlin über ein neues Fach „Islamkunde“ debattiert. Unter Bögers Vorgängerin Ingrid Stahmer (SPD) waren die Vorbereitungen weit fortgeschritten. Man arbeitete sogar an einem Konzept für die Lehrerfortbildung und führte Gespräche mit Islamwissenschaftlern über Unterrichtsinhalte. Diese Pläne wurden von Böger aber nicht weiter verfolgt. sve/sib

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben