Berlin : Böger verspricht Berufsschulen 200 Millionen Euro

Sanierungsprogramm angekündigt – Thema Lehrstellenmangel beherrscht Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Oberstufenzentren

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will die Modernisierung der Berufsschulen vorantreiben. Bis 2009 sollen 200 Millionen Euro in Gebäude und Lehrmittel investiert werden, kündigte Böger anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Oberstufenzentren an. Damit hätten diese Schulen eindeutig die „Pole-Position“ bei der Vergabe von EU-Mitteln.

Vehement wehrte sich Böger gegen die Darstellung des neuen Verbandes Berufliche Bildung in Berlin (BBB), wonach die Berufsschulen infolge der Finanzkürzungen am Rande der Arbeitsfähigkeit angekommen seien. Allerdings seien die Schulen in „schwierigem Fahrwasser“, weil die Lern- und Lehrmittel und die Gelder für bauliche Unterhaltung knapp seien. Böger kündigte an, sich für eine bessere Ausstattung einzusetzen. Auch die Streichung der Bibliothekarsstellen und anderer nichtpädagogischer Mitarbeiter sei „kein kluger Weg“, aber eben dem Geldmangel geschuldet.

Die Situation in den 33 Oberstufenzentren und neun Berufsschulen ist extrem unterschiedlich. Einerseits gibt es Schulen wie das Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik, in dem mehr als 1000 Rechner stehen. Andererseits gibt es Schulen, die mangels Geräten keine modernen Unterrichtstechniken einsetzen können. Etliche Einrichtungen verfügten nicht einmal über Projektoren, berichtete HU-Professor Jürgen van Buer am Rande des Jubiläums-Festaktes im Tempelhofer Oberstufenzentrum Farbtechnik und Raumgestaltung.

Buer wies auch auf ein weiteres Problem der Berufsschulen hin. Bis zu 30 Prozent der Jugendlichen, die an den berufsbildenden Schulen ankämen, seien „nicht ausbildungsgeeignet“. Es fehlten ihnen grundlegende Kenntnisse und zudem mangele es an Sorgfalt und einer realistischen Selbsteinschätzung. All diese Lücken müssten die Berufsschulen und Oberstufenzentren mit ihren berufsvorbereitenden Lehrgängen, den so genannten Warteschleifen, füllen.

Die „Warteschleifen“ und der Lehrstellenmangel waren das beherrschende Thema beim Festakt und der anschließenden Diskussion zwischen Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern. Laut Angaben der Lehrergewerkschaft GEW ist die Anzahl der Schüler, die mangels Lehrstellen in den berufsvorbereitenden Lehrgängen untergebracht werden müssen, in diesem Schuljahr nochmals gestiegen, und zwar von 13000 auf 15000. GEW-Chef Ulrich Thöne berichtete von einer Hauptschule, in der von 46 Schülern nur ein einziger eine Lehrstellen gefunden habe.

IHK und Handwerkskammer kündigten an, weitere Ausbildungsplätze zu akquirieren. Allein die IHK will 17 Mitarbeiter durch die Betriebe schicken und für zusätzliche Lehrstellen werben.

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