Berlin : Böger will Ausländerquote an Schulen

Bildungssenator schlägt vor, Einwanderer-Kinder auf benachbarte Gebiete zu verteilen, um eine bessere Mischung in den Klassen zu erreichen

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will einen besseren Ausgleich zwischen Schulen mit sehr hoher und sehr niedriger Ausländerrate schaffen. Zumindest in einigen Bezirken sollen die „dramatischen Unterschiede“ zwischen den Schulen gemindert werden, indem die Kinder nicht mehr unmittelbar am Wohnort, sondern in benachbarten Stadtgebieten zur Schule geschickt werden. Böger reagierte damit gestern auf eine neue Studie der Freien Universität, die einen Zusammenhang zwischen dem Ausländeranteil in einer Klasse und dem Testergebnis nahe legt.

Mit der Studie untersuchen die FU-Erziehungswissenschaftler Hans Merkens und Agi Schründer-Lenzen seit Jahresbeginn erstmals die Bedeutung unterschiedlicher Unterrichtsmethoden für den jeweiligen Erfolg bei der Lesefähigkeit und dem Schriftspracherwerb von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache. Vier Jahre lang begleiten sie 1250 Schüler an 59 Berliner Schulen und überprüfen regelmäßig deren Lernerfolge.

Zu Beginn wurde jetzt unter anderem betrachtet, wie stark die Testergebnisse vom Ausländeranteil der Schulklasse abhängen. Dabei kam heraus, dass – zumindest nach den ersten sechs Monaten – Klassen mit einem geringeren Anteil ausländischer Kinder insgesamt im Vorteil sind. Anlässlich dieses Befundes sagte Böger, dass über einen besseren Austausch der Schüler nachgedacht werden müsse. Der Bildungssenator sagte, er könne sich etwa in einem Großbezirk wie Mitte vorstellen, dass Kinder aus dem Wedding nach Alt-Mitte gebracht werden, wo der Ausländeranteil verschwindend gering ist. Zu diesem Zweck sei es vielleicht notwendig, die bisherigen engen Einzugsbereiche der Grundschulen aufzuheben und auf größere Regionen auszuweiten.

Angesichts der großen Probleme in Schulen mit 60, 70 oder gar 90 Prozent Kindern nichtdeutscher Herkunft bekommt Böger Unterstützung von der ehemaligen Ausländerbeauftragten und jetzigen schulischen Migrationsbeauftragten Barbara John. „Unbestritten wäre ein besserer Austausch von Vorteil“, sagte John. Allerdings dürften die Wege für die Kinder nicht zu weit werden. Entfernungen von einigen Busstationen seien zumutbar. Allerdings müsse man „viel Überzeugungsarbeit“ bei den Eltern leisten.

Auch Özcan Mutlu von den Bündnisgrünen würde es begrüßen, die Grenzen der Einschulungsbereiche zu lockern: „Man muss über solche Lösungen nachdenken.“ Allerdings könne man deutsche Eltern nur dann für eine Schule mit höherem Ausländeranteil gewinnen, wenn diese Schulen gute Qualität böten. Als Beispiel nannte er die Kreuzberger Heinrich-Zille-Grundschule, die sich vor Anmeldungen kaum retten kann.

Die FU-Wissenschaftler wollen mit ihrer Studie auch herausfinden, ob Unterricht mit oder ohne Fibel sinnvoller ist, und sie untersuchen die Auswirkungen der zweisprachigen deutsch-türkischen Alphabetisierung, die an fünf Schulen praktiziert wird.

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