Berlin : Bögers Rechnung wird nicht aufgehen

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Betrifft: „Fast 500 Euro im Monat für einen Krippenplatz“ vom 3. September 2003

Als ich mir die neue Gebührentabelle für Kindertagesstätten und Horte angeschaut habe, habe ich mich gefragt: „Wie, Herr Bildungssenator, soll diese Rechnung aufgehen?“ Denn: Natürlich werden sich die so genannten „Besserverdienenden“ aus der staatlichen Kinderbetreuung zurückziehen. Natürlich wird es zu der von Herrn Naumann befürchteten „sozialen Entmischung“ kommen. Mal ganz ehrlich: Warum soll „frau“ denn noch arbeiten gehen? Leider sind es heute noch immer überwiegend die Frauen, die vor die Herausforderung gestellt sind, den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu finden, nachdem sie die Rentenzahler von morgen in die Welt gesetzt haben.

Und wofür der ganze Stress? Damit am Monatsende vom Gehalt der Mutter der Kitaplatz bezahlt wird oder man nur ein paar Cent drauf legen muss? Das kann es doch nicht sein. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung gehen berufstätige Mütter nicht nur zur „Selbstverwirklichung“ arbeiten. Man höre und staune: Sie freuen sich tatsächlich über ein Erfolgserlebnis in Form von barer Münze. Angesichts der neuen Gebührenordnung beißt „frau“ doch lieber in den sauren Apfel und bleibt zu Hause. Wenn es ihr denn nicht gelingt, sich privat zu organisieren. Ade, Steuern und Sozialabgaben, so dringend gewünscht und auch schon verplant von Herrn Eichel und Frau Schmidt. Ade, qualifiziertes Fachpersonal. Und auch: Ade, ihr neuen Erzieherinnen, die ihr euch so gefreut habt auf die neuen, von Herrn Bildungssenator Böger in Aussicht gestellten Jobs. Denn wovon bezahlen, wenn die so genannten „Besserverdienenden“ nicht mehr bereit sind, die hohen Gebühren zu berappen, und die frei werdenden Plätze von Kindern der „unteren Einkommensgruppen“ gefüllt werden? Nein, Herr Bildungssenator Böger, Ihre Rechnung kann nicht aufgehen.

Verena Kießwetter, Mitte

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