Berlin : Böse, böse

Santina Maria Schrader spielt die Schneekönigin im Friedrichstadt-Palast Wie die Steglitzerin das Programm durchsteht? „Nach zehn Stunden Schlaf“

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Erbarmungslos lockend. Schrader ist der Star im Kinderstück.
Erbarmungslos lockend. Schrader ist der Star im Kinderstück.Foto: Kristján Erik Czakó

Die Schneekönigin trägt einen kuscheligen rosafarbenen Nickimantel und braune Wildlederstiefel. Ihr grünen Augen unter den braunen Haaren blicken aufmerksam, aber durchaus freundlich, als sie sich anderthalb Stunden vor Probenbeginn im Friedrichstadt-Palast in die Maske setzt. Das ist nicht die eiskalte Herrscherin, die alles Gute und Schöne in der Welt hasst und zerstören will – noch nicht. Denn erst nachdem Maskenbildnerin Katja Palm mithilfe von Pinseln, Stiften, Tiegeln und Tuschen ihr Werk vollbracht hat und Perücke und Kostüm angelegt sind, verwandelt sich die Sängerin, Schauspielerin und Kabarettistin Santina Maria Schrader in die böse, aber verführerische Schneekönigin. Erbarmungslos und lockend schaut sie dann unter ihren langen Wimpern hervor. „Die Figur hat eine subtile Erotik, das möchte ich zeigen“, sagt Schrader. Am Sonntag feiert „Die Schneekönigin“ frei nach Motiven des Märchens von Hans Christian Andersen Premiere im Friedrichstadt-Palast. Die bunte, lebhafte Bühnenshow des „Jungen Ensembles“ ist für Kinder ab fünf Jahren empfohlen.

Schrader hat die Rolle schon bei der ersten Inszenierung in diesem Haus vor zwei Jahren gespielt. Doch erst mit Kiki Timm, der Regisseurin der Neufassung, fühlt sich die Schauspielerin frei, die Vielschichtigkeit und Weiblichkeit der Figur darzustellen. „’Die Schneekönigin‘ war schon immer mein Lieblingsmärchen. Je älter ich wurde, umso besser konnte ich Figur und Subtext verstehen“, erzählt die 41-Jährige. Die Arbeit mit den 250 Kindern und Jugendlichen des Jungen Ensembles macht ihr viel Freude. Selbst Mutter einer 21- und einer 23-jährigen Tochter, hat sie mit einigen der Jungdarsteller Freundschaft geschlossen. „Ich erlebe gerade eine sehr glückliche, kreative Zeit“, sagt Schrader. Nicht nur wegen der Schneekönigin. Sondern auch, weil sie im Rahmen der Reihe „30 Tage Kunst“ Ende November mit der Konzertpianistin Sibylle Briner auftritt und im September 2012 mit dem Comedian Robert Louis Griesbach in den Wühlmäusen Premiere des eigenen Programms „Götterspeisendämmerung“ feiern wird.

„Zurzeit sauge ich alles in mich auf, was ich noch in meinem Programm, einer Art kabarettistisch-szenischer Lesung, unterbringen könnte“, erzählt Schrader, für die Kabarett kein neues Metier ist: schon mehrfach ist sie im Kabarett-Theater „Die Distel“ aufgetreten. Außerdem hat Schrader seit ihrer Jugend in mehreren Bands gesungen und für Film und Fernsehen gearbeitet, unter anderem für die ZDF-Serie Soko.

Untätigkeit mag nicht zu dieser Frau passen, weder beruflich noch privat. So engagiert sich Schrader seit langem für die Kinder-Rheumastiftung, da ihre jüngere Tochter selbst stark von der Krankheit betroffen war. In Berlin lebt die gebürtige Leipzigerin seitdem sie 16 Jahre alt ist und hier erst Gesang und später Schauspiel studiert hat. Jahrelang hat sie in Nähe des Kino Kosmos an der Karl-Marx-Allee gewohnt, später ist sie mit ihrer Familie nach Steglitz gezogen. „Das Einzige, was ich brauche, um alle Projekte gut zu bewältigen, ist viel, viel Schlaf“, sagt Schrader. Zehn Stunden pro Nacht seien ideal.

Um ihr berufliches Glück vollkommen zu machen, fehlt eigentlich nur noch eins: Schrader möchte endlich wieder fürs Fernsehen arbeiten, gern in einer Serie. „Ich liebe das Spiel mit der Kamera, man ist näher dran und kann kleiner spielen“, sagt sie. Auf der Theaterbühne hingegen sei alles große Geste, große Sprache. Für ihr Ziel bemüht sich die Schauspielerin derzeit intensiv um Castings. „Es ist der Irrglaube vieler Schauspieler, dass sie selbst nichts mehr tun müssen, sobald sie bei einer Agentur sind“, sagt Schrader. Zu Hause sitzen und auf einen Anruf warten, der vielleicht nie kommt, ist ihre Sache nicht. Eva Kalwa

Friedrichstadt-Palast. Bis 27. Januar mehrmals wöchentlich um 16 Uhr, sonntags um 11.30 Uhr.

Tickets für 24 Euro bis 35 Euro unter der Tagesspiegel-Ticket-Telefonnummer 29 021 521 (montags bis freitags von 7.30 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 8 bis 12 Uhr) sowie im Tagesspiegel-Shop am Askanischen Platz 3 in Kreuzberg (S-Bahnhof Anhalter Bahnhof, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr).

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